Posted on 10. Mai 2017

    Wie es wirklich ist, mit einer bipolaren Störung zu leben

    "Ich bin nicht verrückt. Etwas in meinem Kopf funktioniert nur anders als in deinem."

    Eine bipolare Störung ist eine schwere, oft missverstandene psychische Erkrankung, die dramatische Schwankungen der Stimmung, der Energie und der Aktivität verursacht.

    Lucy Mills / Creative Commons / Via Flickr: lmillsphotography

    Während der Mental Health Week von BuzzFeed baten wir die BuzzFeed-Community, uns von ihren Erfahrungen mit bipolaren Störungen zu berichten. Wir erhielten fast 200 E-Mails und hunderte weitere Kommentare.

    Wir haben die Zitate und ein Interview mit der Psychologin Dr. Caroline Vaile Wright, Leiterin der Abteilung für Forschung und Sonderprojekte bei der American Psychological Association, hier veröffentlicht, um ein besseres Bild davon zu liefern, wie das Leben mit einer bipolaren Störung tatsächlich ist.

    1. Eine bipolare Störung umfasst in der Regel manische und depressive Episoden, es kann jedoch auch hypomanische und gemischte Episoden geben.

    Jenny Chang / Via buzzfeed.com

    Eine manische Episode kann sich in extremem Übermut und Fröhlichkeit und manchmal auch in Reizbarkeit oder Wut äußern. Eine Person im manischen Zustand kann rasende Gedanken haben, schneller als normal sprechen, nicht schlafen oder sich impulsiv, riskant oder gefährlich verhalten, zum Beispiel viel Geld ausgeben, riskanten Sex haben, Dinge stehlen usw. Eine hypomanische Episode ist so ähnlich wie eine manische Episode, jedoch typischerweise kürzer und weniger heftig.

    Eine depressive Episode ist häufig von einem Gefühl der Traurigkeit, Einsamkeit und einem geringen Selbstwertgefühl geprägt. Menschen in einem depressiven Zustand können ihr Interesse an Dingen verlieren, die ihnen in der Regel Spaß machen, können Konzentrationsschwierigkeiten haben und weniger beziehungsweise mehr schlafen oder auch Suizidgedanken haben.

    Eine gemischte Episode ist eine Episode, in der zur gleichen Zeit sowohl manische als auch depressive Symptome auftreten.

    2. Es gibt einige verschiedene Arten von bipolaren Störungen.

    Haejin Park / Via buzzfeed.com

    "Wie wir wissen, tritt eine bipolare Störung innerhalb eines Spektrums auf", sagt Wright. Laut dem Diagnostischen und Statistischen Manual Psychischer Störungen (DSM-5) gibt es vier Hauptformen:

    * Bipolar I: Wenn man eine manische oder gemischte Episode hat, die mindestens eine Woche andauert oder schwerwiegend genug ist, dass sie eine sofortige Krankenhauseinweisung erfordert. Zudem wird dies in der Regel von depressiven Episoden begleitet.

    * Bipolar II: Wenn man sowohl depressive, als auch hypomanische Episoden erlebt, jedoch ohne vollständig manische oder gemischte Episoden.

    * Bipolar Disorder Not Otherwise Specified (BP-NOS): eine nicht näher bestimmte Form der bipolaren Störung mit Symptomen, die keines der fachlichen Kriterien für eine bestimmte Form erfüllen.

    * Zyklothymia: Wenn man hypomanische und depressive Symptome hat, die nicht ganz den Kriterien für manische, hypomanische oder depressive Episoden entsprechen und die mindestens zwei Jahre lang immer wieder auftreten.

    Es gibt auch das Rapid Cycling, wobei man mindestens vier Episoden in einem Jahr hat. Weitere Informationen gibt es beim National Institute of Mental Health (NIMH) hier.

    3. Menschen mit einer bipolaren Störung sind keine "tickenden Zeitbomben".

    Warner Bros. / Via jpoxxed.tumblr.com

    "Die Leute behandeln mich wie eine Landmine, nachdem sie es erfahren. Sie fassen mich mit Samthandschuhen an, weil sie glauben, ich explodiere, wenn sie etwas Falsches tun oder sagen. Ich bin keine Landmine und ich bin auch keine Zeitbombe. Ich bin eine 16-Jährige, bei der mehrere psychische Störungen diagnostiziert wurden und ich arbeite so hart wie möglich daran, dass die negativen Aspekte meiner geistigen Verfassung nicht mein Leben bestimmen."

    –Caitlin per E-Mail

    4. Und sie passen wahrscheinlich nicht zu dem Stereotyp, das du im Kopf hast.

    Moreno Berti / Creative Commons / Via Flickr: morenoberti

    Wir sind nicht allesamt missverstandene Axtmörder oder durchgeknallte Mädels mit Pixie-Frisur. Wir sind deine Geschwister, deine Klassenkameraden, ja vielleicht sogar dein Lebenspartner! Wie bei jeder anderen Krankheit auch, gibt es bipolare Störungen in allen Formen und Ausmaßen. Vielleicht überrascht es dich, zu erfahren, dass eine bipolare Störung nicht nur von eskalierenden Höhen oder lebensgefährliche Tiefen geprägt ist. In vielen Fällen ist es irgendwas dazwischen, so eine allgegenwärtige Melancholie. Die anderen beiden Extreme treten sicherlich auch auf, aber sie sind im Alltag für das ungeschulte Auge nicht immer erkennbar."

    –Sara per E-Mail

    5. Für einen Moment kann sich eine manische Episode wie ein superproduktives Hoch anfühlen.

    Jenny Chang / Via buzzfeed.com

    "Wenn ich eine manische Episode habe, bin ich nicht zu stoppen. Die Manie inspiriert mich dazu, neue Hobbys aufzunehmen, wie Stricken oder "Couponing", nur um sie dann in der Sekunde, in der meine manische Episode endet, fallen zu lassen. Am Anfang einer manischen Episode fühlt es sich einfach an wie ein produktiver Tag. Es fängt damit an, dass ich ohne viel Mühe alles erledige, was ich zu erledigen habe. Aber dann bin ich um 3 Uhr nachts wach und räume meinen Kleiderschrank um, obwohl ich früh auf der Arbeit sein muss. Wenn ich manisch bin, fühle ich mich nicht bipolar. Meine Manie fühlt sich dann an wie Erfolg. Es fühlt sich an, als ob ich endlich alles richtig machen und als ob nichts schiefgehen könnte."

    –Julia La Bonte über Facebook

    6. Aber Manie kann auch beängstigend und unberechenbar sein.

    derek maguire / Creative Commons / Via Flickr: 24992848@N05

    "Eine bipolare Störung ist nicht lustig, man ist nicht einfach nur aufgedreht und glücklich. Klar, da ist dieser 'süße Punkt', den man erwischt, wenn man produktiv, extrovertiert, gesprächig oder kreativ ist. Man fühlt sich großartig und denkt, man hätte alles voll im Griff – aber so ist es nicht die ganze Zeit. Man ist reizbar, wütend und paranoid. Man gibt zu viel Geld aus, fährt rücksichtslos Auto und bringt sich selbst in kompromittierende Situationen. Man lebt seine Sexualität voll aus und man kann nicht aufhören zu reden. Und man schläft nicht. Man handelt zwanghaft, sieht und hört irgendwelche Sachen. Es ist anstrengend, von einem solchen Hoch in so ein Tief zu kommen."

    –Anonym per E-Mail

    7. Depressive Episoden ähneln einer schweren Depression und können immer wieder aufs Neue auftreten.

    Jenny Chang / Via buzzfeed.com

    "Die Depression kommt unvermeidlich, und dann ist die Party vorbei. Das fühlt sich von Mal zu Mal schlimmer an. Wenn man gerade manisch ist, kann man sich nur schwer vorstellen, jemals depressiv gewesen zu sein, weil man sich in dem Moment so gut fühlt – und wenn man depressiv ist, kann man sich unmöglich vorstellen, jemals im Leben Glück empfunden zu haben."

    –Reese Smith über Facebook

    8. Gemischte Episoden sind nicht einfach nur launische Stimmungsschwankungen – es bedeutet, mehrere Emotionen gleichzeitig zu fühlen.

    Andrea Hickey / Via buzzfeed.com

    "Gemischte Episoden sind eine ganz spezielle Form der Hölle, wo Depression und Manie zur gleichen Zeit ablaufen. Sie sind beängstigend und gefährlich – die Suizidgefahr ist bei gemischten Episoden am höchsten, denn man hat nicht nur Selbstmordgedanken, sondern auch die Energie, um diese in die Tat umzusetzen. Ich bekam früher richtig üble gemischte Episoden und wusste gar nicht, was mit mir geschah – ich wusste ja nicht, dass es gemischte Episoden überhaupt gibt. Also nahm ich einfach an, dass ich gerade den Verstand verlor. Ich dachte, ich bin so richtig am Arsch, geistesgestört und nicht wert, dass man mir hilft. Hätte ich etwas über gemischte Episoden gewusst, hätte ich mich nicht so isoliert und hoffnungslos verlassen gefühlt."

    –Justine per E-Mail

    9. Eine bipolare Störung zu haben, bedeutet mehr als nur Höhen und Tiefen zu erleben.

    giphy.com

    "Es treten auch Wahnvorstellungen, Halluzinationen und richtig schlimme Paranoia auf. Es gibt so viele Symptome, von denen die Leute gar nicht wissen, dass sie mit einer bipolaren Störung zusammenhängen."

    kirstens4bb5adb45

    10. Launisch oder unentschlossen zu sein ist nicht "bipolar". Eine bipolare Störung ist eine ernste psychische Erkrankung.

    Disney / Via favim.com

    "Ich hasse es, wenn die Leute mit dem Adjektiv 'bipolar' um sich schmeißen, weil jemand launisch oder gereizt ist oder einfach nur einen schlechten Tag hat. Ich kann euch gar nicht sagen, wie oft ich es schon erlebt habe, dass Kollegen sich über eine unserer Mitarbeiterinnen beschweren, die angeblich bipolar ist. Es ist schwer, weil dann alles in mir danach schreit, diese Leute zurechtzuweisen und zu sagen: 'Nein, die ist einfach nur emotional'. Aber ich schweige, weil ich mich nicht selbst als psychisch krank outen will."

    –Jessica per E-Mail

    11. Und es ist nichts, was man mit reiner Willenskraft besiegen kann.

    Maritsa Patrinos / Via buzzfeed.com

    "Meine besten Freunde haben mich gefragt, ob ich denn überhaupt will, dass es mir besser geht. Ich weiß gar nicht, wie ich den verzweifelten Wunsch nach Verbesserung beschreiben soll, den Kampf und diese Last, das Wissen, dass nach einer unbekannten Zeitspanne alles wieder von vorne anfangen wird. Ich frage mich, ob alle heimlich denken: 'Versuchst du überhaupt, dich zu ändern?', wenn der Krieg zwischen meinen Stimmungen mich mal wieder völlig lähmt. Ich hab' die Schnauze so voll."

    –Jessica Hudson über Facebook

    12. Nicht jede Emotion oder Stimmungsschwankung ist ein Symptom für eine bipolare Störung.

    Nickelodeon / Via giphy.com

    "Ich will unbedingt, dass die Leute wissen, dass ich mich bisweilen eigentlich ganz normal fühle. Manchmal passiert etwas Trauriges und ich fühle mich traurig, oder es passiert etwas Gutes und ich freue mich. Aber das ist einfach nur Traurigkeit oder eben Freude, es ist nicht immer Depression oder Manie. Ich habe meine Freunde schon mal sagen hören: 'Sie muss ihre Medikamente abgesetzt haben', wenn ich lustig oder impulsiv drauf war. Ich musste mich dann immer sehr beherrschen, um diesen Leuten nicht eine reinzuhauen."

    –Megan Jones über Facebook

    13. Aber manchmal fragen sich sogar Menschen mit einer bipolaren Störung, ob ein zufälliges Gefühl tatsächlich der Beginn einer Episode ist.

    Casey Gueren

    "Du weißt, dass du wieder Schwankungen haben wirst und hinterfragst jedes Gefühl und jede Nacht, in der du schlecht geschlafen hast: Ist es ganz normale Traurigkeit oder werde ich gerade depressiv? Ich blicke zuversichtlich in die Zukunft – werde ich gerade manisch? Festzustellen, was echt und was bipolar ist, wird zum Kampf. Manchmal vergisst du, wer du bist."

    –Shannon per E-Mail

    14. Episoden können tage- oder wochenlang andauern und können sich jeden Augenblick ändern.

    Jenny Chang / Via buzzfeed.com

    "Eine Menge Leute nehmen an, dass Bipolare an einem einzigen Tag Myriaden von Emotionen durchleben. Auf manche trifft das auch zu. Aber es gibt Wochen, da tue ich alles, was ich tun muss, Wochen, wo ich das Gefühl habe, dass ich alles, was ich vom Leben erwarte, kriegen kann und auch kriegen werde. Und dann, von einem Moment zum nächsten, sage ich mir, dass ich es beenden und mich einfach umbringen sollte, weil ich eh niemals was gebacken kriege. Von der Logik her weiß ich, dass das keinen Sinn ergibt, aber jemandem zu sagen: 'So darfst du nicht denken!' hat noch keinem geholfen."

    –Destiny Kruse über Facebook

    15. Eine bipolare Störung zu haben, entspricht nicht den romantisierenden Bildern, die man im Fernsehen und im Kino sieht.

    Weinstein Company / Via rooneymara.tumblr.com

    "Ich freue mich, meine Geschichte erzählen zu können, denn so eine Geschichte wird nicht oft erzählt. Jedenfalls nicht ohne den ganzen polierten Hollywood-Glamour. Weder wird eine bipolare Störung durch Liebe geheilt, wie in Silver Linings suggeriert wird, noch lassen sich die psychotischen, manischen Hochs wie in Homeland durch eine Pille und ein Nickerchen unterdrücken."

    –Beth per E-Mail

    16. Und wer eine bipolare Störung hat, ist nicht von Natur aus gewalttätig.

    Jenny Chang / Via buzzfeed.com

    "Ich wünschte, die Leute wüssten, dass wir nicht gewalttätig sind. In Wahrheit ist es viel wahrscheinlicher, dass wir Opfer von Gewalt werden, als dass wir selbst Gewalt verüben."

    –Morgan per E-Mail

    17. Man merkt nicht zwangsläufig, dass jemand eine bipolare Störung hat – bis er/sie es einem sagt.

    Jenny Chang / Via buzzfeed.com

    "Rein äußerlich bin ich eine sehr gut funktionierende, reife Erwachsene. Keiner würde je vermuten, dass ich so eine Geschichte zu erzählen habe. Psychische Störungen sind real und sollten ernstgenommen werden. Nur weil man sie nicht sieht, heißt das nicht, dass sie nicht existieren."

    –Shnay Patrice über Facebook

    18. Tatsächlich können manische Episoden mit Ehrgeiz verwechselt werden.

    http://giphy.com/gifs/life-catgifs-w0CPP48tkM6Ag

    "Wer geht denn zum Arzt oder Therapeuten, wenn er einen Höhenflug hat oder 'sowas von ehrgeizig' ist?! Meine Persönlichkeit, mein Aktivismus und meine akademische Karriere haben meine manischen Episoden eigentlich verschleiert. Man applaudierte mir, weil ich so ehrgeizig und erfolgreich war und überall mitmischte. Ich selbst habe das ganz anders erlebt. Ich war getrieben von Angst, Schuldgefühlen und einem Gefühl der Benommenheit. Manchmal fühlte ich mich, als wäre ich ein winzig kleiner Mensch, der auf sich herabschaut, täglich zu fünf Meetings geht, die Wochenenden durchfeiert und an Wochentagen schon mittags trinkt."

    –Robin per E-Mail

    19. Über die eigene bipolare Störung zu sprechen, kann wirklich schwierig sein.

    20. Wenn dir jemand von seiner Diagnose erzählt, hör einfach nur zu und sei für ihn/sie da.

    Unsplash / pexels.com / Via buzzfeed.com

    "Ich gehe mindestens einmal im Monat zu meinem Psychiater und bin mit Medikamenten stabil, aber die Leute gucken mich an wie eine geistesgestörte Person, wenn ich ihnen meine Diagnose offenbare. Ich bin immer noch ich. Ich weiß genau, was los ist, und deswegen ist es für meine Ärzte und Therapeuten einfacher, die Behandlung speziell auf mich abzustimmen. Hört also bitte auf, mich anzuschauen wie eine tickende Zeitbombe!"

    –Greta per E-Mail

    21. In der Tat halten viele Menschen ihre Krankheit aus Angst vor Verurteilungen oder Sanktionen am Arbeitsplatz geheim.

    Regency Enterprises / Via mrssmithhassecrets.tumblr.com

    "Einmal wurde ich im Job von einer leitenden Position wieder zurückgestuft und musste von zu Hause aus arbeiten, nachdem ich dem stellvertretenden Direktor erzählt hatte, dass ich eine bipolare Störung habe. Er sagte, das sei doch nur, um mir zu helfen. Er zahlte mir das gleiche Gehalt weiter, aber viele Jahre lang hatte ich panische Angst, irgendjemandem außerhalb meiner engsten Familie etwas zu sagen – aus Furcht vor Repressalien.

    "Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich meiner aktuellen Firma von meiner bipolaren Störung erzählt hätte. Aber ich lebe nach wie vor in Angst vor Konsequenzen am Arbeitsplatz. Ich bin sicher: Eines Tages werden sie es herausfinden. Ich muss den Mut dazu finden, bevor mich eine Episode fortreißt und ich es ihnen vom Krankenhauszimmer aus erklären muss."

    –Anonym per E-Mail

    22. Die Fachleute sind sich noch immer nicht ganz sicher, wodurch eine bipolare Störung eigentlich ausgelöst wird.

    dierk schaefer / creative commons / Via Flickr: dierkschaefer

    "Führende Wissenschaftler meinen, es sei eine Kombination aus genetischen und biologischen Faktoren und Umwelteinflüssen", sagt Wright. "Wir wissen: Hat ein Elternteil eine bipolare Störung, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass auch das Kind eine bekommt. Das heißt jedoch nicht, dass es sie bekommen muss."

    Derzeit spricht man von einer Erkrankung des Gehirns, denn Forschungsergebnisse zeigen, dass das Gehirn von Menschen mit bipolarer Störung bisweilen anders funktioniert.

    23. Der Weg zu einer Diagnose kann oft langwierig und frustrierend sein.

    Chris Ritter / Via buzzfeed.com

    "Mein halbes Leben schon habe ich mit einer bipolaren Störung zu tun (seit meinem 11. Lebensjahr, jetzt bin ich 24). Aber eine Diagnose bekam ich erst mit 20. Die Leute kapieren nicht, wie schwer es ist, eine bipolare Störung zu erkennen. Ich ging zu meinem Hausarzt, der stellte eine Angststörung und Depression fest und setzte ein paar Antidepressiva an. Leider verschlimmerte das meine bipolare Störung noch. Ich hatte keine Ahnung, wieso es jedes Mal schlimmer wurde, wenn es mir eigentlich besser gehen sollte. Erst als ich zu einem Psychiater ging, begann es mir wirklich besser zu gehen."

    –Thomson per E-Mail

    24. Für die Behandlung bipolarer Störungen gibt es kein Universalrezept.

    Kelsey / creative commons / Via Flickr: kelseyweaverphotography

    "Die Medikation spielt eine ganz entscheidende Rolle, wenn es darum geht, Betroffenen zu helfen", sagt Wright. "Wie genau, kann jedoch von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein." So kann sich selbst die Behandlung ein- und derselben Person von Zeit zu Zeit ändern. Zum Beispiel unterscheiden sich die medikamentöse Behandlung und der Therapieplan während einer schweren manischen Phase wahrscheinlich von dem, was der Arzt während einer Normalisierungsphase verschreibt, wenn der Patient sich stabil fühlt und sich über mögliche Auslöser im Klaren ist.

    "Jeder Einzelne benötigt einen maßgeschneiderten Behandlungsplan, ein hohes Maß an Unterstützung und idealerweise eine auf Kooperation basierende Beziehung zum behandelnden Arzt. So kann jederzeit diskutiert werden, was für den Patienten am besten funktioniert und was er braucht."

    25. Es kann eine Menge Versuche erfordern, bis man den perfekten Therapieplan findet.

    youtube.com

    "Ich habe drei Monate lang mehr als 14 Kombinationen aus Antidepressiva und Antipsychotika ausprobiert. Das war eine Achterbahn der Emotionen, inklusive Frustration und dem Gefühl, verloren zu sein. Heute bin ich aber auf einer Medikation, die bei mir anschlägt. Ich fühle mich so gut wie schon lange nicht mehr."

    –Anonym per E-Mail

    26. Sobald jemand einen funktionierenden Therapieplan gefunden hat, kann es ein Kampf sein, diesen auch tatsächlich zu befolgen.

    amanda farah / creative commons / Via Flickr: amandafarah

    "Ich weiß genau: Wenn ich mich gehen lasse, dann lausche ich ständig dieser leisen Stimme, die mir sagt, dass ich völlig übertreibe und dass die Medikamente eigentlich unnötig sind. Denn hey, immerhin geht es dir jetzt seit fast drei Jahren gut – sicher haben diese Ärzte viel Lärm um nichts gemacht. Und da liegt bei mir die Gefahr. Wenn ich nicht mehr auf mich achte und nicht ständig wachsam bin... naja, ich werde wohl nicht gleich rückfällig werden, ich weiß das. Es wird mir wahrscheinlich eine Zeitlang einigermaßen gut gehen. Monatelang, vielleicht auch jahrelang. Oder nur ein paar Wochen lang. Oder nur morgen. Ich weiß es wirklich nie genau."

    –Robyn Ostrokol über Facebook

    27. Es ist nicht ungewöhnlich, dass jemand mit einer bipolaren Störung beschließt, seine Medikamente nicht mehr einzunehmen.

    Chris Ritter / Via buzzfeed.com

    "Die Leute können das anscheinend nur schwer verstehen: Warum sollte man aufhören, seine Medikamente zu nehmen und sich damit in Gefahr bringen? Es ist schwer, diese Frage zu beantworten, und ich bin sicher, dass die Antwort für verschiedene Menschen unterschiedlich ist. Ich für meinen Teil denke, dass ich einfach die unangenehmen Nebenwirkungen der Medikamente nicht mochte und zur gleichen Zeit war da auf jeden Fall ein Gefühl der Verleugnung meiner Diagnose. Ich war mir sicher, dass die Diagnose falsch war. Ich war überzeugt, dass ich lediglich eine ganz normale Phase der Veränderung durchmachte, die das Erwachsenenleben mit all seinen Stressfaktoren so mit sich bringt.

    "Es wurde klar, dass dies nicht der Fall war.
    Ich habe vor einigen Monaten eine neue Medikamentenkur begonnen und meine Stimmung ist seitdem stabil. Es gibt zwar immer noch Schwierigkeiten, aber ich versuche, damit locker umzugehen."

    saraw13

    28. Und manche Menschen flüchten sich in Drogen und Alkohol, um sich selbst zu behandeln.

    omye / Creative Commond / Via Flickr: omye

    "Vom Kokain runterzukommen und meinen notorischen Marihuanakonsum abzustellen (äußerst verbreitet unter Menschen mit bipolarer Störung) war mit das Schwierigste, was ich je tun musste. Ich rate jedem, der an bipolarer Störung und Sucht leidet (Doppeldiagnose), sich Hilfe zu suchen. Es gibt Programme gegen chemische Abhängigkeit, die sind super. Ich bin jetzt seit 90 Tagen clean, und es hätte keinen besseren Zeitpunkt geben können."

    a4538e3f66

    29. Sich zu bemühen, diese Störung zu verstehen, ist eine Möglichkeit, für einen geliebten Menschen da zu sein.

    30. Eine bipolare Störung, wie auch jede andere schwere Krankheit, definiert Dich nicht.

    Marie. L. / creative commons / Via Flickr: marielecoq

    "Wir müssen die Art und Weise ändern, wie wir als Kultur über bestimmte Krankheiten denken. Wir sagen nicht: 'Hallo! Ich bin Diabetes!' Oder: 'Ich bin Krebs.' Oder sogar: 'Ich bin Depressionen.' Warum also sagen wir: 'Ich bin bipolar?' Du bist nicht deine Krankheit. Du HAST eine psychische Krankheit, aber sie hat dich nicht."

    –Martamary per E-Mail

    31. Geduld und Verständnis werden sehr geschätzt.

    Anna Borges / Via buzzfeed.com

    "Auch wenn es Zeiten gibt, in denen wir grausam und egoistisch und reizbar erscheinen oder zurückgezogen und negativ, sorgen wir uns dennoch um dich und auch um deine Gefühle. Und wir schätzen die Menschen, die während dieser Episoden zu uns halten und versuchen, uns zu verstehen. Viele von uns lernen mit der Zeit dazu, und wir sind dankbar, dass du bei uns bist."

    saraw13

    32. Eine bipolare Störung ist eine behandelbare Krankheit, und es ist durchaus möglich, mit einer bipolaren Störung ein erfülltes und produktives Leben zu führen.

    youtube.com

    "Für Leute wie mich spiegelt eine bipolare Störung nicht wider, wer sie wirklich sind. Eine bipolare Störung ist ein Ungleichgewicht in der Hirnchemie, das angeboren ist. Anders als häufig angenommen, können bipolare Patienten sehr wohl ein normales Leben führen. Sie können heiraten, Kinder kriegen und im Beruf erfolgreich sein. Ich habe alle diese Dinge erreicht – mit kognitiver Verhaltenstherapie, Medikamenten und einem unbeugsamen Geist. Und auch du kannst das erreichen."

    –Anonym per E-Mail

    33. Urteile bitte nicht vorschnell über jemanden, der eine bipolare Störung hat.

    Want to be the first to see product recommendations, style hacks, and beauty trends? Sign up for our As/Is newsletter!

    Newsletter signup form