7. März 2018

    Diese Frau erfuhr, dass ihr Muttermal darauf hinweist, dass sie im Mutterleib mit ihrem Zwilling zusammengewachsen ist

    Sie hat Chimärismus, eine seltene genetische Veranlagung, bei der ein Mensch aus zwei verschiedenen DNA besteht.

    Vergangenes Jahr erfuhr die Musikerin Taylor Muhl, dass das besondere Muttermal auf ihrem Oberkörper nicht nur eine oberflächliche Beschaffenheit ihrer Haut war. Es ist tatsächlich ein äußeres Zeichen dafür, dass sie ihr eigener Zwilling ist und zwei verschiedene DNA in sich trägt.

    Zwillinge haben oft ein unzertrennliches Band, aber Muhl und ihr zweieiiger Zwilling sind tatsächlich ein und dieselbe Person. In diesem genetischen Ausnahmefall wuchsen Muhl und ihr zweieiiger Zwilling im Mutterleib zusammen. Dadurch hat Muhl zwei verschiedene DNA: ihre eigene und die ihres Zwillings. Das nennt man Chimärismus.

    Muhl ist Model und Sängerin. Sie lebt in Kalifornien und erfuhr erst zufällig bei einem Arztbesuch, dass sie ihr eigener Zwilling ist. In einem Interview mit People sagte Muhl, dass ihre Mutter nie zum Ultraschall gegangen war und gar nicht wusste, dass sie mit Zwillingen schwanger war, die im Mutterleib zusammenwuchsen.

    Muhl verriet vergangenes Jahr in einem Instagram-Post, dass sie eine "Chimäre" ist und erschien in einer Folge von The Doctors. "Ich bin mein eigener Zwilling... Ich bin ein zweieiiger Zwilling, der mit meinem Geschwisterchen im Mutterleib zusammengewachsen ist und trage dessen Erbgut in meinem Körper", schrieb sie in ihrem Blog.

    Chimärismus ist eine seltene genetische Veranlagung, die durch das Zusammenwachsen zweier Embryonen im Mutterleib verursacht wird.

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    "Ganz einfach ausgedrückt ist eine Chimäre ein Individuum, das die Genome von zwei verschiedenen Individuen hat, sodass die Person ein Gemisch aus verschiedenen Zellen und Geweben hat", erklärte Dr. John Pappas, Direktor der New York University Langone’s Clinical Genetic Services, BuzzFeed News.

    Chimärismus tritt auf, wenn zweieiige Zwillinge im Mutterleib zusammenwachsen. "Wenn eineiige Zwillinge zusammenwachsen, ist es keine Chimäre, da sie dasselbe Genom haben", sagte Dr. Pappas. Wenn zwei Spermien die beiden Eier befruchten, entstehen zwei einzellige Organismen (Zygoten), die sich dann teilen und zu Embryonen heranwachsen. Bei Chimärismus wachsen diese beiden Embryonen zu einem Zellhaufen zusammen, aus der dann eine Person entsteht.

    "Das passiert ganz früh im Leben der Embryonen, normalerweise in den ersten paar Tagen im Leben der Embryonen, wenn sie noch zweizellige Zellhaufen sind", sagte Dr. Pappas. Falls das Zusammenwachsen später im Leben der Embryonen passiert, so Dr. Pappas, kann ein Zwilling den anderen "aufnehmen", wobei ein Teratom entsteht, eine Art Zyste oder Tumor, der gutartig oder bösartig sein kann.

    "Wenn das Zusammenwachsen sehr früh geschieht, kann es fast eine 50-prozentige Beteiligung jedes Genoms geben. Und je später es geschieht, desto weniger DNA hat man von dem anderen Fötus", sagte Dr. Pappas. Außerdem: Je früher das Zusammenwachsen passiert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fötus überlebensfähig ist.

    Chimärismus ist äußerst selten. "Wir wissen es nicht ganz genau, aber ich schätze, dass es wahrscheinlich in weniger als einem von 100.000 Fällen auftritt," sagte Dr. Pappas.

    In Muhls Fall ist es so, dass sie zwei getrennte Hautfarben auf ihrem Oberkörper hat. "Die unterschiedliche Hautpigmentierung ist das Erbgut meines Zwillings", schrieb sie.

    Davor hielt Muhl die Verfärbung auf ihrem Oberkörper einfach für ein besonderes Muttermal. Dabei ist es tatsächlich ein Symptom ihres Chimärismus. "Bei einer Person mit zwei genomischen Herkünften kann sie Haut mit unterschiedlicher Färbung haben, da sie von zwei Individuen stammt", sagte Dr. Pappas.

    Taylor Muhl hat noch einige andere körperliche Merkmale, die auf diesen seltenen Defekt hindeuten. "Alles auf meiner linken Körperseite ist etwas größer als auf der rechten. Ich habe einen doppelten Zahn in der linken Mundseite", schrieb sie.

    Allerdings ist Muhls Fall sogar noch seltener, da die meisten Leute, die eine Chimäre sind, nicht so offensichtliche unterschiedliche körperliche Merkmale haben.

    Aufgrund ihrer genetischen Veranlagung kämpft Muhl auch mit einer Reihe von autoimmunen und anderen gesundheitlichen Problemen.

    "Mir wurde gesagt, dass ich zwei Immunsysteme und zwei Blutkreisläufe habe", schrieb Muhl. Das führte zu einer Reihe gesundheitlicher Probleme, weswegen Muhl überhaupt erst zum Arzt ging und letztendlich mit Chimärismus diagnostiziert wurde.

    "Mein Körper betrachtet die DNA und die Zellen meines Zwillings als körperfremd, was meinem Immunsystem zu schaffen macht ... Deshalb leide ich leider an autoimmunen und gesundheitlichen Problemen", schrieb sie.

    Wenn ein Körper unterschiedliche DNA hat, bedeutet das, dass bestimmte Zellen Proteine ein bisschen anders herstellen und der Körper diese eventuell als Fremdkörper abwehrt, erklärte Dr. Pappas. Dies führe zu Problemen mit dem Immunsystem. Muhl schrieb auch, dass sie viele Allergien und Unverträglichkeiten auf verschiedene Lebensmittel, Medikamente, Metalle und Insekten habe.

    Ein weiteres schweres Gesundheitsproblem bei Chimärismus tritt auf, wenn die zusammengewachsenen Embryonen männlich und weiblich sind, sodass ein Individuum sowohl XX- als auch XY-Chromosomen hat.

    "Bei diesen Chimären aus zwei verschiedenen Geschlechtern ist eine gonadische Kombination vorhanden, die in uneindeutigen Genitalien resultiert und sie haben ein höheres Krebsrisiko in den Gonaden", sagte Dr. Pappas.

    Chimärismus kann auch eine Menge Verwirrung stiften, was Gentests beispielsweise wegen eines Vaterschaftstest betrifft.

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    Chimären können technisch gesehen zwei unterschiedliche Immunsysteme und Blutgruppen haben, wie Dr. Pappas sagte, was Probleme bei Vaterschafts- und forensischen Tests verursachen kann.

    Es gab Fälle, in denen Vaterschaftstests zeigten, dass ein Elternteil mit Chimärismus nur einen kleinen Anteil der DNA ihres biologischen Kindes haben, so als seien sie eine Tante oder ein Onkel, da das Kind die DNA des ungeborenen zweieiigen Zwillings des Elternteils geerbt hat.

    Da bestimmte Gewebe oder Organe aus Zellen mit unterschiedlichem Erbgut bestehen können, können sich die DNA-Testergebnisse je nach Körperteil, von dem die Probe genommen wurde (also Blut, Haar, Speichel oder Fingernägel), unterscheiden.

    Manche Menschen werden vielleicht nie erfahren, dass sie Chimärismus haben, da die Tests unglaublich kompliziert und teuer sind.

    Seit Taylor Muhl entdeckt hat, dass sie eine Chimäre ist, arbeitet sie daran, darüber aufzuklären und ein positives Körperbild zu fördern.

    BuzzFeed News hat bei Taylor Muhl nach mehr Informationen zu ihrer Geschichte angefragt.

    Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

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