• Schwester badge
Updated on 26. Mai 2020. Posted on 23. Juli 2018

Was sich 33 Leserinnen, die Belästigung erlebt haben, von anderen Menschen wünschen

„Wenn ihr seht, dass sich jemand unwohl fühlt, dann fragt zunächst ‚Geht es dir gut? Brauchst du irgendetwas?‘“

by ,

BuzzFeed Deutschland und BuzzFeed Spanien haben die Communitys von Schwester und LOLA gefragt, wie die Leute reagieren sollten, wenn sie sehen, dass Frauen belästigt werden.

Mixmike / Getty Images

Dabei tauchten einige Themen immer wieder auf. Die Frauen berichten vor allem von der frustrierenden Normalisierung bestimmter Formen der Belästigung (in öffentlichen Verkehrsmitteln, in der Schule, in Clubs und so weiter). Weil diese dem Anschein nach unvermeidbar sind, schreiten die Leute in der Regel nicht ein, um zu helfen.

Unsere Leserinnen schilderten auch, wie wenig andere unternehmen und dass sie sich dadurch furchtbar im Stich gelassen fühlen. Jede Leserin, die unseren Fragebogen beantwortetet hat, wünscht sich, jemand hätte sich für sie eingesetzt. Viele Antworten zeigen auch, dass andere Frauen aus Empathie viel häufiger eingreifen als Männer.

Eine weitere sehr häufige Klage unserer Leserinnen ist, dass wenn sie endlich gegen einen Belästiger vorgehen und Hilfe suchen, sie am Ende selbst verurteilt werden, weil sie angeblich in der Öffentlichkeit „Drama machen” oder „übertreiben“.

Und eine andere Beschwerde, die ebenfalls zu den häufigsten zählt, gilt der Art und Weise, wie die Gesellschaft die Belästigung von Frauen trivialisiert und oft auf eine Pointe reduziert oder als unvermeidlich darstellt, weil „Jungs nun mal so sind”.

Hier sind die Antworten der Frauen. Die Beiträge wurden gekürzt und/oder der besseren Verständlichkeit halber leicht bearbeitet.

1.

„Ich hätte mir Hilfe gewünscht, als mich jemand belästigte. Und Unterstützung im Nachhinein. Ich hätte mir gewünscht, dass mein Erlebnis nicht wie etwas behandelt wird, das ich ‚vergessen solle‘. Als es in der Schule passierte, hätte ich mir gewünscht, dass der Übergriff nicht wie etwas behandelt wird, was ,Jungs halt tun'. Für mich war es kein Spaß, gegen mein Einverständnis angefasst zu werden.” — Ana

2.

„Es würde in der Regel schon reichen, wenn andere in der Situation, in der jemand belästigt wird, den Mund aufmachen. Ich würde für fremde Mädels jeden Idioten zurückschlagen. Aber wenn ich Hilfe brauche, sitzt jeder stillschweigend da und gibt mir keinerlei Unterstützung; kein Wort, keine Tat. Das muss sich ändern!

Wenn ihr seht, wie jemand öffentlich, ungefragt und ungewollt angegraben/ belästigt/ angegriffen wird, SCHREITET EIN! In der Masse sind wir stärker als ihr denkt und egal ob Mädels oder Jungs, wir müssen zusammenhalten und kollektiv solche Täter zurückschlagen oder zur Rechenschaft ziehen. Allein ist es häufig fast unmöglich.“ – Vivi

3.

Meine Mitmenschen waren toll, egal ob meine Freundinnen, meine Mama, mein bester Freund, mein Partner oder meine Lehrer.

Das, was wirklich ganz heftig im Argen ist, ist das deutsche Justizsystem und die Polizei. Dort sollten geschulte Menschen sein, denn was man dort erlebt, ist genau so traumatisierend wie die Ereignisse selbst. – Melina

4.

Gerade erlebt: Der besoffene Mann belästigt die Frau neben ihm. „Lass das“, sage ich. „Hör auf“ sagt eine Frau, deutlich jünger als ich. Der Rest schweigt. Irgendwann steht ein pickliger Teenie (!) auf und setzt zwischen die beiden. Wow. ❤️ https://t.co/bbdBiedZoJ

„Das ist heute so in der Berliner U7 passiert. Dieser Teenie war DER HAMMER. Er hat sich schweigend zwischen die beiden gesetzt, sein Kreuz breit gemacht und völlig stoisch den jetzt noch stärker pöbelnden Typen ertragen. Ich hatte Gänsehaut, ehrlich. Drum herum waren so viele erwachsene Männer, die keinen Mucks gemacht haben.“ – Carline

5.

„Ich möchte, dass das Thema Belästigung mit dem gebührenden Ernst behandelt wird. Ich fühle mich eingeschüchtert und unwohl. Mehr als einmal musste ich mit Männern darüber diskutieren, dass ich mich so fühle, wenn sie mir auf der Straße Kommentare hinterher rufen.

Ich weiß gar nicht, ob es da in erster Linie an Verständnis oder Empathie mangelt. Fakt ist: Oft fühlst du dich alleine ... Wenn die Leute sehen, dass du belästigt wirst, schauen sie einfach weg. Ich möchte, dass es diesbezüglich eine aktivere Haltung gibt, sodass du dich einigermaßen beschützt fühlst.” — M

6.

„Ich hätte mich damals im Alter von neun Jahren darüber gefreut, wenn einer der zahlreichen Passanten eingeschritten wäre, mich nach Hause begleitet oder den Typen irgendwie in die Flucht geschlagen hätte, anstatt die Straßenseite zu wechseln oder einfach wegzusehen.

Ich hätte mich gefreut, wenn der Nachbar, dem ich mich unmittelbar danach anvertraut hatte, die Polizei gerufen und mich reingelassen hätte, um mich in Sicherheit zu bringen.

Ich hätte mir gewünscht, dass er sich kümmert und mich ernst nimmt, anstatt mein Erlebnis mit einem „Zier dich nicht so. Das war bestimmt nicht so schlimm!“ abzutun und mich wegzuschicken

Auch bei öffentlichem Begrabschen später als Jugendliche oder Erwachsene in Bars, Kneipen und Diskotheken hätte ich mir Unterstützung durch Anwesende gewünscht – statt selbst bei lautstarkem Protest mit „Hab di net so, bisch halt a scharfe Maus!“ mundtot gemacht zu werden.“ – Vanessa

7.

„Ich hätte mir gewünscht, dass jemand dem Belästiger klarmacht, dass dieses Verhalten nicht korrekt ist und nicht zur Normalität werden darf. Ich möchte, dass es öffentlich verurteilt wird, denn niemand sollte sich mit Belästigung abfinden müssen.” — Lorena

8.

Bellanatella / Getty Images

„Fremde unternehmen in der Regel nichts. Erst recht nicht, wenn es etwas ist, das nicht viel Aufsehen erregt – sie ignorieren den Vorfall oder halten ihn für unwichtig, weil er als normal gilt.

Was aber stimmt, ist, dass Frauen einander in solchen Dingen mehr unterstützen. Wenn wir zum Beispiel im Club sehen, dass ein Mann eine Frau nicht in Ruhe lässt, dann holen wir sie entweder aus der Situation heraus oder gehen mir ihr woandershin.

Einmal hat mich im Supermarkt ein älterer Mann verfolgt. Eine Kassiererin kam herüber und fing an, dort Waren zu stapeln, wo ich stand. Zuerst war mir nicht klar, dass sie das wegen mir gemacht hat. Doch hinterher erklärte sie mir, dass dieser Kerl das Gleiche auch mit anderen Frauen tat und sie deshalb auf mich aufpassen wollte.” — Celia

9.

„Ich habe vor Jahren in einem wissenschaftlichen Institut gearbeitet. Dort war bekannt, dass jemand ständig die Frauen belästigte. Das wurde sogar irgendwie noch belustigt aufgenommen. Bei mir hat er es einmal versucht und hätte sich beinahe eine gefangen, danach war bei mir Ruhe. Dennoch machte er weiter. Ich unterhielt mich mit Frauen darüber, informierte den Betriebsrat und so weiter, aber es passierte NIX!

Einmal hat er sogar einen Porno angeschaut und die Putzfrau gefragt, wie sie den findet. Da das aber alles erwachsene Frauen waren, beließ ich es dabei, gegen die Widerstände anzukämpfen. Als mir jedoch die minderjährige Praktikantin erzählte, dass er ihr Fotos in Badehose geschickt hat und ständig in ihrem Büro rumlungerte, wodurch sie sich bedroht fühlte, hat es mir gereicht. Die Frauenbeauftrage, der Betriebsrat und andere waren recht dicke mit ihm. Ich habe so einen Ärger veranstaltet, bei seinem Chef und bei der Leitung, bis sie mich nicht mehr ignorieren konnten.

Er wurde zwar verwarnt, aber ich bekam vom Betriebsrat eine Verwarnung wegen Mobbing. Er erzählte dann auch allen, dass ich ihn mobben würde. Der Typ ist immer noch da, ich mittlerweile nicht mehr.“ – Anne-Denise

10.

„Handelt. Und zwar immer. Sagt etwas. Haltet sie davon ab, mich anzuschreien oder anzufassen. Nie unternimmt jemand etwas. Weder Freunde, noch der Partner. Und wenn du es ihnen sagst, spielen sie die Situation herunter. Sie denken, es ist nicht wichtig, oder sie sagen, du übertreibst oder bist verrückt.” — Mouse

11.

„Ignoriert die Situation nicht. Das ist kein „flirtender” Mann, sondern jemand, der mich bedroht. Das Opfer von seinem Belästiger wegzuführen, oder die Frau zu fragen, ob alles in Ordnung ist und ob sie etwas braucht, ist kein großer Aufwand.” — Anna

12.

„Ich fotografiere hobbymäßig Monster High-Puppen und hatte Fotos in einer Facebook.Gruppe in unserer Stadt veröffentlicht. Darauf hin hat sich ein Mann, der bei uns in einem teuren Einrichtungsgeschäft arbeitet, mit diesen Nachrichten gemeldet. Er wollte angeblich noch mehr Bilder dieser Puppen. Am liebsten wäre ich damit zu seinem Chef gegangen. Aber jeder meinte: ,Lass sein, das ist zu viel Stress ... reg dich nicht auf, ist ja nichts Eindeutiges ... nicht, dass du noch falsch dargestellt wirst' – diese verf***ten Standardsätze.“ – Anonym

13.

„Ich wurde vor etwa 2,5 Jahren auf dem Heimweg von der Arbeit von einem Mann angesprochen, als ich gerade aus der Bahn stieg. Ich habe mich geschmeichelt gefühlt, auch wenn er so gar nicht mein Typ war und wir haben nett geplaudert. Von der Haltestelle bis zu meinem damaligen Wohnhaus waren es etwa fünf Minuten an einer vielgenutzten Straße, es wunderte mich also nicht, dass er den gleichen Weg wählte wie ich.

Als ich das Gespräch nett beendete und in meinen Hauseingang ging, hat er offenbar nicht verstanden, dass meinerseits kein weiteres Interesse bestand und kam mir deutlich zu nahe. Ich schloss die Tür auf und bemerkte dabei, wie dicht er hinter mir stand (ich hatte buchstäblich seinen Atem im Nacken), und dass er anfing, mich am unteren Rücken zu berühren.

In dieser Situation wurde mir bewusst, wie ,schwach' ich bin und dass ich mich eigentlich überhaupt nicht wehren kann; also körperlich total unterlegen bin. Irgendwie schaffte ich es dennoch, mich durch die Haustür zu quetschen, schrie ihn an, dass er sich verpissen soll und habe dann glücklicherweise die Tür schließen können.

Nach diesem Vorfall habe ich etwa zwei Stunden in meiner Küche gesessen und überlegt, was ich nun tun sollte – ob es den Anruf bei der Polizei ,wert' ist, eigentlich ist ja nichts passiert… Ich rief einen guten Freund an und berichtete von dem Vorfall und er überredete mich dazu, die Polizei zu informieren.

Etwa zwei Stunden nach meinem Anruf bei der Polizei kamen ein männlicher Polizist und seine Kollegin vorbei. Erster Kommentar: ,Wir haben mit einer alten Dame gerechnet' (Aha, interessant, wie kommen Sie denn darauf? Werden nur alten Damen belästigt?) Ich war damals 22 Jahre alt. Nach Schilderung der Vorkommnisse speiste mich der männliche Part des Teams mit einem ,Ach, der Typ wollte einfach nur ein Date, damit muss man als Frau rechnen' ab – die Polizistin sagte leider gar nichts dazu.

Lange Rede, kurzer Sinn: gewünscht hätte ich mir Verständnis, Behutsamkeit und eine schlauere Wortwahl.“ – Charlotte

14.

„Ich wünschte, die anderen Leute würden nicht lachen. Dann würde der Belästiger mitkriegen, dass niemand sein Verhalten lustig findet. Und wenn der Typ euer Freund ist, dann wünsche ich mir, dass ihr euch für sein Verhalten entschuldigt. Mir kommt das lächerlich simpel vor, anderen aber fällt es total schwer, das zu begreifen.” — Sara

15.

“Ich wünsche mir einfach, weniger verurteilt zu werden. Oft hört man Sprüche wie: ,Ja, wenn du dich mit dem triffst, bist du selbst schuld!' Sowas ist einfach nur unnötig.“ – Anncathrin

16.

Juandarien / Getty Images

„Sprecht sie an. LAUT und vor allen Leuten.” — Koukla

17.

„Mein Wunsch wäre gewesen, dass die Leute mir glauben, ohne ‚aber‘ zu sagen und ohne zu hinterfragen, warum mir das passiert ist. Außerdem hätte ich gewollt, dass sie nicht glauben, ich hätte es darauf angelegt. Das kränkt mich.” — Len

18.

„Damals war ich 14 Jahre alt und habe mich in einen Deutschen verliebt. Ich war erst seit einem Jahr in Deutschland. Einmal habe ich ihn besucht, dort gegessen und dann bin ich nach Hause gefahren. Am gleichen Abend schrieben mir – von seiner Nummer – zahlreiche Menschen, die mich beleidigten, weil ich ein Flüchtling bin. Ich sei hässlich, asozial und solle mich von Deutschen fernhalten, sagten sie.

Ich habe mich belästigt gefühlt. Ich wünschte mir, ich könnte besser Deutsch sprechen, so wie jetzt, um ihnen zu zeigen, dass sowas unmenschlich und asozial ist. In der Schule wurde ich deswegen gemobbt. Diese Leute haben die Geschichte verbreitet und keiner wollte mit mir etwas unternehmen. Ich habe mich zwei Jahre lang in den großen Pausen versteckt und geweint.

Jetzt kann ich Deutsch sprechen, bin sogar besser in der Schule und schreibe gerade mein Abitur. Ich werde studieren und mich in meinem Berufsleben dafür einsetzen, dass so etwas anderen Kindern und Menschen nicht passiert. Ich wünschte, dass Menschen, die Integration befürworten, sehen, was mit Integration passiert.“ – Joudy

19.

„Verurteilt mich nicht mit diesem ganz speziellen Blick. Selbst im Jahr 2018, wenn ich einem Typen, der mich belästigt oder handgreiflich wird, die Meinung sage, gucken mich die Leute an, als wollten sie sagen, dass ich im Unrecht bin, weil ich einen Skandal verursache.” — Carla

20.

„Sexuelle Belästigung gehört bei vielen Frauen beinahe schon zum Alltag und obwohl ich schon Schlimmeres ,ertragen' musste, ist mir dieses eine Erlebnis besonders im Gedächtnis geblieben. Ein Kumpel von meiner Schwester, den ich sehr komisch finde, hat immer anzügliche Bemerkungen gemacht, mich nah an sich herangezogen oder mir seine Hand aufs Knie gelegt. Ich hab ihn immer weggeschoben und auch meiner Familie gesagt, dass ich das abartig finde. Jedoch wurde mir immer nur gesagt, ,so ist er nunmal', statt dass irgendwer ihm mal gesagt hätte, dass er seine Finger von mir lassen soll.

Eine weitere Sache, an die ich mich gut erinnere: Ich arbeite bei der Bank und hatte einen Stand mit einer anderen Auszubildenden. Ein betrunkener Kunde hat sehr lange auf uns eingeredet und schon Pläne für einen gemeinsamen Urlaub geschmiedet. Schlussendlich hat er uns (in diesem Wortlaut) gefragt, ob wir denn regelmäßigen Geschlechtsverkehr hätten. Nachdem er weg war, regten sich die Servicemitarbeiter vom Schalter noch auf, warum wir ihn nicht weggeschickt hätten – aber obwohl er ihnen allen zwielichtig vorkam, kam uns auch keiner zu Hilfe.“ – Michelle

21.

Rudall30 / Getty Images

„Stellt den Belästiger zur Rede, wenn ich ihm zum fünften Mal vor allen Leuten ‚Nein‘ sage. Oder holt mich da raus unter dem Vorwand, zum Beispiel, in dem ihr vorgebt, mit mir zur Toilette zu müssen. Oder ruft die Polizei. Ihr braucht keine Helden zu sein, aber sucht nach Lösungen.” — Trastinka

22.

„Ich hatte auf einer Party ein paar Typen kennen gelernt, die wollten, dass ich etwas tue, wozu ich mich geweigert hab. Daraufhin bedrängten mich die drei, einer hat meine Brust angefasst. Um uns herum waren Leute. Ich habe meinen Freunden erzählt, was passiert war. Ich wünschte, sie hätten nicht gedacht, dass ich Witze mache, sondern mich ernst genommen. Stattdessen haben alle gelacht, anstatt die Männer zur Rede zu stellen. Jemand hätte ihnen Respekt abnötigen oder sie zu einer Entschuldigung auffordern müssen.” — Aquarius

23.

„Ich wünschte, meine Freunde hätten es nicht als ,Flirten' verharmlost, sondern gemerkt, dass ich es als Belästigung empfinde. Und ich wünschte mir, sie hätten mich nicht mit diesem Mann allein gelassen.” — BiCosmica

24.

„Ich habe bis vor kurzem in der Gastronomie gearbeitet – mein täglich Brot war ein Klaps auf den Hintern, Kniffe, Pfiffe, Anmachen von GÄSTEN. Ich hatte teilweise blaue Flecken vom Zupacken (erklär das mal deinem Lebenspartner). Einer meiner letzten Gäste gab mir fast gar kein Trinkgeld, weil ich (O-Ton) ihm meine Nummer nicht geben wollte (trotzdem hat er mich den ganzen Abend angegrabscht).

Es ist ja schön das die #MeToo-Bewegung existiert, allerdings wäre es noch schöner, wenn die Menschen anfangen würden hinzusehen, etwas zu sagen oder zu tun, sobald sie dessen gewahr werden.“ – Vivi

25.

„Eines Tages verfolgte mich ein Mann nach Feierabend, bezeichnete mich als Schlampe und sagte, er werde mich vergewaltigen. Wir liefen an etlichen Leuten vorbei, aber keiner unternahm etwas – dabei war ich erst 18 Jahre alt und es war offensichtlich, was da vor sich ging. Zu Hause angekommen, schloss ich so schnell ich konnte die Tür hinter mir. Der Typ wartete draußen auf der Straße. Ich ging im Dunkeln die Treppe hoch und knipste in meiner Wohnung kein einziges Licht an, aus Angst, dass er dann ja wüsste, wo genau ich wohne.

Ich rief meine Eltern an und erzählte ihnen, was passiert war. Ich hatte Angst. Mein Vater kam innerhalb von fünf Minuten nach Hause, um den Kerl zu stellen. Ich wünschte, jeder würde so reagieren. Dann müsste ich nicht voller Angst die Straße entlang laufen oder mich zu Hause verstecken.” — Lili

26.

Mary Jirovaya / Getty Images

„Glaubt mir. Das ist das Wichtigste. Ich habe mich nämlich sehr verlassen gefühlt, als andere mir nicht glaubten, weil sie der Meinung waren, ich sei die Böse und der arme Junge sei doch ,nur in mich verliebt'.

Wenn die Situation in der Öffentlichkeit passiert und ihr seht, dass die andere Person sich nicht wohlfühlt, dann fragt zunächst ‚Geht es dir gut? Brauchst du irgendetwas?‘ und sagt dann dem Belästiger: ‚Hör auf, lass sie in Frieden‘ – vor allem, wenn ihr das Privileg habt, ein Mann zu sein, denn auf euch hören sie eher.” — Pregnenolona

27.

„Mein Wunsch: Jemand hätte ihn fragen sollen, was er da verdammt noch mal treibt. Und ich wünschte, man hätte mich gefragt, wie es mir geht, ob mir etwas fehlt oder ob ich Anzeige erstatten will. Außerdem hätte man mir Hilfe beim Erstatten der Anzeige anbieten sollen, wenn ich das gewollt hätte.” — Celia

28.

Enona / Getty Images

„Mit elf Jahren war ich gerade mit meiner Mama zu Fuß unterwegs. Ich trug meine Schuluniform und ein alter Mann, der hinter mir war, fasste mir an den Hintern und kam zügig hinter mir her. In der Hand hatte ich nichts als einen Regenschirm. Ich beschimpfte ihn als ,alten Hurensohn‘. Der Kerl wurde aggressiv, so, als ob er mich gleich schlagen wollte. Ich hätte ihn mit meinem Regenschirm geschlagen, wenn ein Obstverkäufer am Straßenrand ihm nicht die Meinung gesagt hätte. Er meinte sowas wie: ‚Willst du etwa ein Mädchen schlagen? Ja, ich habe gesehen, was du gemacht hast.‘ Der Kerl hat alles geleugnet, verschwand aber schnell, als auch andere Leute dazu kamen.

Ich erzähle davon, weil ich mir diese Einstellung bei jedem sexuellen Übergriff wünsche: Die Opfer setzen sich zur Wehr und die Leute um sie herum helfen ihnen.” — Emma

29.

„Einmal fing ein Klassenkamerad an, mir WhatsApp-Nachrichten zu schreiben, obwohl ich ihm gar nicht meine Nummer gegeben hatte. Ich hatte noch nie mit ihm gesprochen und zunächst kam ich damit auch klar, aber mit der Zeit wurde er sehr zudringlich: Er schickte mir ständig Nachrichten und fragte mich, ob ich einen Freund suche oder ob ich einen habe. Ich sagte ihm, er soll mich in Ruhe lassen, aber das tat er nicht. Ich fühlte mich belästigt, weil er mir im 15-Minuten-Takt Nachrichten sendete.

Ich erzählte das den Leuten, die ich für meine Freunde hielt, aber die lachten und nahmen mich nicht ernst. Ich hätte mir gewünscht, dass diese Freunde mich unterstützen, denn ich habe mich in der Situation sehr unwohl gefühlt. Stattdessen steigerten sie mein Unbehagen noch, weil sie meinten, dass das was der Junge da tat, ‚romantisch‘ sei. Er schrieb mir noch zwei weitere Jahre lang Nachrichten, bis es mir gelang, die Kommunikation vollständig abzubrechen. Meine Freunde, die wussten, was los war, haben mich nicht unterstützt.” — Anne

30.

„Mein Ex-Freund hat mich ein Jahr lang belästigt – persönlich und in den sozialen Netzwerken. Was ich am meisten brauchte, war jemand, der mich nicht ausfragt, sondern einfach versucht, mir zu helfen.” — Elisa

31.

Danielvilleneuve / Getty Images

„Ich erwarte gar nicht, dass ihr irgendwas zu dem Belästiger sagt. Kommt einfach und fragt mich, ob alles klar ist. Oder tut so, als würdet ihr mich kennen, damit ich leichter von dem Typen wegkomme.” — Ariadna

32.

„Wenn es in der Öffentlichkeit Belästigungen gibt, zum Beispiel im Bus, dann wünsche ich mir, dass man mir hilft und die Leute den Kerl auf sein Verhalten ansprechen, anstatt das Opfer sich selbst zu überlassen. Dein Schweigen macht dich zum Mittäter.” — Ana

33.

„Überlasst es nicht den Frauen, sich aus gegenseitiger Empathie zu helfen – jeder von euch sieht, dass die Situation furchtbar ist.” — Karmele

Um weitere übersetzte Inhalte und die Qualität von BuzzFeed International zu genießen, kannst du dich für Inter Webz anmelden, unseren neuen Newsletter, der alle zwei Wochen erscheint und dir das weltweit Beste aus dem Internet bietet.

Dieser Beitrag wurde aus dem Spanischen übersetzt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

BuzzFeed Daily

Keep up with the latest daily buzz with the BuzzFeed Daily newsletter!

Newsletter signup form