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11 Dinge, die man jemandem mit Typ-1-Diabetes nicht sagen sollte

Es gibt keine "milde Form" von Diabetes.

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1. Es gibt keine "milde Form" von Diabetes.

Diabetes UK

Typ-1-Diabetes tritt auf, wenn der Körper gar kein Insulin mehr produziert, während Typ-2-Diabetes bedeutet, dass der Körper nicht mehr genug davon produziert oder das Insulin, dass er herstellt, seine Funktion nicht ordnungsgemäß erfüllt. Es existiert der Mythos, dass Typ 2 die mildere Form wäre – aber dies ist falsch.

„Es ist im Allgemeinen ein fester Glaube, dass Typ 2 die mildere Form und weniger ernst wäre als Typ-1-Diabetes. Das stimmt in Wirklichkeit nicht, da beide Arten, Diabetes vom Typ 1 als auch 2, zu ernsten, gesundheitlichen Problemen führen können wie Blindheit, Amputation, Nierenerkrankungen, Herzerkrankungen sowie Schlaganfällen, falls es nicht ordentlich behandelt wird.“

„Diabetes vom Typ 1 kann urplötzlich einsetzen, wo einer Person möglicherweise sehr rasch unwohl wird, wohingegen Diabetes vom Typ 2 viele Jahre unbemerkt bleiben kann. Beide Arten der Zuckerkrankheit müssen so schnell wie möglich behandelt werden, um durch Diabetes verursachte Komplikationen zu vermeiden.“ - Deepa Khatri, klinischer Berater, Diabetes UK

2. Man bekommt es nicht davon, dass man "zu viel Zucker isst".

Connor McHarg

„Typ 1 sowie Typ 2 sind zwei komplett unterschiedliche Krankheiten. Es gibt zwei Arten, ich rede über Typ 1, die Autoimmunerkrankung. Es gibt nichts, was ich getan hätte, um es zu bekommen, es gibt nichts, was ich hätte tun können, um es zu verhindern, außerdem ist es nicht ansteckend.“

„Nein, ich habe es nicht, weil ich als Kind zu viel Zucker gegessen hatte, und ja, ich kann immer noch dieses eine Stück Torte essen. Ich kann alles essen, was ich will, und ich kann ziemlich alles machen, was ich will, wann ich es will – mein T1 hält mich in keiner Weise von irgendetwas ab. Es gehört aber mehr dazu, als sich nur ein paar Insulinspritzen zu verabreichen – es gehört viel mehr dazu.“ – Connor McHarg

3. Und es ist eine ernste Krankheit.

Amy Black

„Etwas, das mich am meisten frustriert, ist, dass die Leute dazu tendieren, Diabetes nicht als eine 'ernsthafte' Krankheit anzusehen und soweit gehen zu behaupten, dass es aufgrund der Wahl bestimmter Lebensstile selbst verschuldet sei. Nimm mich aber zum Beispiel: Ich war ein kerngesundes und aktives 11-jähriges Kind, als bei mir Typ-1-Diabetes diagnostiziert worden ist ohne eine familiäre Vorgeschichte dieser Krankheit. Deswegen nervt es mich, wenn ich in den Medien Bilder von Süßigkeiten und Fast Food sehe, die mit Geschichten über Diabetes in Verbindung gebracht werden.“

„Die Menschen müssen wirklich mehr über die Fakten bezüglich Diabetes erfahren sowie seine Ernsthaftigkeit erkennen. Sie müssen die Tatsache akzeptieren, dass Leute wegen der Krankheit sterben, auch junge und physisch aktive.“ – Amy Black

4. Man muss schnell lernen, sein Leben zu organisieren.

Amy Black

„Da ich alleine lebe, muss ich nachts einen Notfallalarm tragen für den Fall, dass ich jemals über Nacht eine schwere Hypoglykämie erleiden sollte (was selten ist). Dies bedeutet: Falls ich jemals aufgrund des extrem niedrigen Blutzuckerspiegels zuckend aufwachen sollte, muss ich sicher sein, dass mit einem Knopfdruck auf das Gerät um meinen Hals ein Rettungswagen auf dem Weg ist.“

„Ich habe auch, egal, wo ich hingehe, viele Glucose-Gele bei mir für den Fall, dass ich jemals eine Hypo [hypoglykämischer Anfall] haben sollte, wenn ich unterwegs bin. Die Symptome davon wären Verwirrung, Zittern, Hitzewallungen, Taubheitsgefühl sowie Kopfschmerzen.“

„Ab dem letzten Jahr habe ich eine Insulinpumpe verwendet, um mich selbst medizinisch zu behandeln, was mir mehr Freiheit und Flexibilität bietet, was das Essen betrifft. Vorher hatte ich mir selber Insulininjektionen verabreicht, davon durchschnittlich ungefähr 4-mal am Tag. Obwohl die Leute mich oft anstarrten, wenn ich mich selbst spritzte, hat es mich eigentlich nie wirklich gekümmert – man gewöhnt sich einfach daran und bekommt es nach einer Weile gar nicht mehr mit.“ – Amy Black

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5. Wenn du eine Insulinpumpe bekommst, könnten sich deine Outfits möglicherweise ändern.

Mel Stephenson

„Typ 1 beeinflusst sogar die Art und Weise, wie ich mich anziehe, weil meine Klamotten entweder Taschen haben müssen, um meine Insulinpumpe aufzubewahren, oder sie müssen einen starken Hosenbund besitzen, um meine Pumpe zu fixieren/halten. So fallen verführerische Kleider meistens leider aus.“

„Wenn die Insulinpumpe sichtbar ist, kann sich Diabetes auf soziale Situationen auswirken, indem neugierige Leute Fragen stellen wie: ‚Warum hast du da einen MP3-Player an deiner Hüfte dran?‘ Was dich verlegen machen kann und als Erinnerung daran dient, dass du eine chronische Erkrankung hast.“

„Ich liebe es, modische Kleidung zu tragen, aber ich muss immer irgendetwas haben, wo ich meine Pumpe hintun kann. Somit sind Leggings ein bisschen wie Heftklammern für mich geworden, da sie so geschnitten sind, dass sie die Pumpe halten, sie aber auch nicht so eng sind, dass sie die Nadel, welche ich konstant trage, in meinen Bauch oder obere Hüfte drücken. Ich mag es, oberhalb Farben oder Streifen zu tragen, weil sie die Aufmerksamkeit von der Pumpe wegnehmen.“ – Mel Stephenson

6. Kalkulationen sind wichtig – jeden Tag.

Wendy Stafford

„Ich hatte bisher drei hypoglykämische Schocks gehabt, die darin resultierten, dass ich kollabiert bin, einen Anfall hatte und einen Krankenwagen benötigte. Aber wenn ich über einen ‚typischen Tag‘ spreche, würde ich sagen, dass dieser damit beginnt, dass ich aufwache und aus dem Bett hüpfe und mir etwas Frühstück mache (gewöhnlich Müsli oder Toast mit Marmelade). Dann zähle ich die Kohlenhydrate meiner Mahlzeit und injiziere die korrekte Menge an Insulin und überprüfe noch dazu meinen Blutzuckerspiegel.“

„Diese Prozedur wiederhole ich den Tag über bei allen weiteren Mahlzeiten und Snacks. Mein Diabetes wirkt sich meistens auf mich aus, wenn ich etwas mache wie Reisen oder auf ein Konzert gehe oder ich mich nicht gut fühle. Das ist dann, wenn mein Blutzucker rauf und runter geht, was bei mir zu Übelkeit sowie generell Unwohlsein führt. Stress wirkt sich ebenfalls sehr auf meine Zuckerkrankheit aus. In der Zeit meines Examens am Ende der Highschool sowie am College ging es mir wegen meines schwächeren Immunsystems und meiner Verfassung gar nicht gut.“

„Wenn ich mein Haus verlasse, muss ich immer eine große Tasche mit meinen zwei Insulinstiften, Nadeln, meinem Blutmessgerät, Teststreifen, Lanzetten, zwei Flaschen Energydrinks sowie etwas mit Kohlenhydraten wie eine Packung Chips oder ein Sandwich dabeihaben für den Fall, dass mein Blutzucker zu niedrig ist. Ich trage auch immer mein Identifikationshalsband, auf welchem mein Name steht, dass ich Typ-1-Diabetes habe und zwei Notfalltelefonnummern, falls ich kollabiere.“ – Wendy Stafford

7. Eine unsichtbare Krankheit zu haben, ist hart.

Mel Stephenson

„Diabetes ist schmerzhaft, obwohl es eine Krankheit ist, die Menschen nicht ‚sehen‘ können. Zuckerkrank zu sein, ist sowohl physisch als auch psychologisch eine Herausforderung. Um damit umzugehen, du dich an eine eine Therapie aus Spritzen, Blutzuckertests, gezählten Kohlehydraten sowie an das Abwiegen von Essen halten.“

„Aber nur weil Diabetes keine äußerlichen Symptome aufweist, bedeutet das nicht, dass es keine ernsthafte Krankheit ist. Ich versuche es den Leuten oft so zu erklären, dass Diabetes ein Kätzchen ist, wenn du dich darum kümmerst – aber ein Löwe, wenn mal was schiefgeht.“

„Die psychologischen Aspekte von Diabetes sind Leuten sehr schwer zu erklären, noch einmal, weil sie keinerlei physische Symptome erkennen können, somit kann da nix ‚nicht in Ordnung‘ sein. Aber stell dir vor, dass du ein ‚normales‘ Kind bist, das eine gesunde Zukunft vor sich hat und aus einem unbekannten Grund entscheidet sich dein Körper dafür, seine eigene Bauchspeicheldrüse zu attackieren und dich für den Rest deines Lebens mit täglichen Spritzen zurücklässt. Das kann dazu führen, dass du dich frustriert als auch betrogen um das Leben fühlst, dass du möglicherweise gehabt hättest. Allerdings kann ich mir mittlerweile ein Leben ohne Diabetes nicht mehr vorstellen; es ist ein Teil von mir, aber es bildet natürlich nicht die Gesamtheit.“ – Mel Stephenson

8. Die Diagnose ist nicht immer eindeutig.

Adam Gorrill

„Ich habe die Woche durch im Schnitt 15-mal am Tag oder so ein Glas mit ½ Liter Wasser getrunken, und ich konnte nicht genau sagen, warum. Damals war es meine Freundin, der aufgefallen war, dass ich in kurzer Zeit sehr viel Gewicht verloren hatte, sechs Kilo, um genau zu sein, und ich hatte es einfach nicht bemerkt, was ziemlich überraschend war, denn so viel Gewicht zum Verlieren hatte ich gar nicht. Beim Hund meiner Freundin war kürzlich Diabetes diagnostiziert worden und nachdem ich mit ihrer Mutter darüber gesprochen hatte, erkannte ich, dass ich alle Symptome besaß – nach einem schnellen Blick auf die NHS-Webseite, hatte ich rasch alle Kästchen für Diabetes angekreuzt gehabt.“

„Schnell machte ich einen Arzttermin und dann nach einigen Bluttests wurde ich in die Diabetes-Klinik überwiesen. Dort bekam ich die Bestätigung, und ich konnte mit der Anwendung von synthetischem Insulin sofort beginnen. Ich bekam als gesunder und fitter Mensch im Alter von 24 Typ-1-Diabetes. Mein Blutzuckerspiegel war mit +35.00 Millimol außerhalb der Norm (normalerweise liegt er zwischen +4 und +6) und da ich kein Insulin produzierte, war mein Körper dazu übergegangen, sich für Energie selbst ‚aufzuessen‘ (verbrannte das Körperfett) anstatt in der Lage zu sein, den induzierten Zucker aus Kohlenhydraten aufzuspalten. Mir wurde gezeigt, wie man spritzt sowie mit welchem Typ Insulin (ich habe zwei) und wann.“ - Adam Gorrill

„Bei mir wurde es im März 2007 im Alter von 8 Jahren diagnostiziert. Es war eines der traumatischsten, fürchterlichsten Dinge, die mir jemals zugestoßen waren, und ich dachte ehrlich, dass ich sterben würde. Und mir ist klar, dass das überdramatisch klingt! Jedoch passierte alles so schnell – ich wurde rasch direkt ins Krankenhaus gebracht, wo mir links, rechts und in der Mitte Injektionen sowie Kanülen gesetzt wurden. Da es bei mir an einem Freitag diagnostiziert wurde, ließ das Diabetes-Personal die Arbeit wegen des Wochenendes stehen und ich wurde im Limbus zurückgelassen, wobei die nicht wussten, wie schlecht es mir ging. Für jemanden, der so jung war, war es ein fürchterliches Erlebnis.“ – Wendy Stafford

„Es war am 22. Februar, 2012, da war ich also 12. Die Entwicklung hatte sich lange hingezogen – meine Mutter bemerkte, dass sich kurz nach Weihnachten etwas verändert hatte. Ich ging zum Doktor und wurde mit Antibiotika fortgeschickt, erst nachdem ich ziemlich krank geworden war, ging ich noch mal hin und bekam die Diagnose Typ-1. Es war ziemlich gruselig nicht zu wissen, was mit einem passiert, warum ich immer durstig war und soviel dünner geworden bin.“ – Connor McHarg

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9. Es ist jeden Tag ein Verhandeln mit deinem Körper.

Lauren Proctor

„Ich muss die Kohlenhydratmenge von allem, was ich esse oder trinke, berücksichtigen sowie die korrekte Insulindosis mithilfe der Insulinspritze zu mir nehmen. Viele äußerliche Faktoren wie Stress, Krankheit, Bewegung sowie Wetter (!) können sich auf meinen Blutzuckerspiegel auswirken, also teste ich meinen Blutzucker vorab sowie durchgehend über den Tag.“

„Wenn mein Zucker zu niedrig ist, nehme ich ein süßes Getränk zu mir oder Snacks, um ihn wieder hochzubringen. Falls er zu hoch ist, muss ich mich ebenso darum kümmern. Es ist wie auf einem Drahtseil zu balancieren dadurch, dass ein Vitalorgan, das deinem Körper hilft zu funktionieren, unerklärlicherweise aufgegeben hat.“ – Lauren Proctor

10. Bewegung ist wichtig.

Adam Gorrill

„Ein weiterer Bereich, der oft missverstanden wird, ist die Vorstellung von Bewegung sowie ausgedehnter physischer Aktivität – das ist so, weil unter Stress und Anstrengung der Körper zu einem gewissen Grad mehr Zucker verbrennt, der sich bei jedem Individuum unterscheidet. Ich bin ein Hobby-Triathlet und lege regelmäßig längere Trainingsschichten ein. Obwohl es teilweise sorgfältige Planung sowie Voraussicht benötigt, bin ich genau so leistungsfähig beim Training und bei körperlicher Anstrengung wie jemand ohne Typ-1-Diabetes.“

„Ich höre, dass viele sportliche Aktivitäten eine No-go-Area für viele Diabetiker seien aufgrund der Tatsache, dass dein Körper den Zucker für die Energiegewinnung benötigt und du deshalb zu viel verbrennen könntest; jedoch musst du wie jeder andere Athlet nur wissen, was dein Körper verbrennt und wann du den Zucker in deinem System wieder auffüllen solltest.“

„Es frustriert mich zu wissen, dass viele Leute, die an Diabetes leiden, keinen Sport machen aufgrund dieses Missverständnisses, da es eigentlich eines der wichtigsten Dinge ist, die man in seinem Leben tun kann, die nicht nur die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden verbessern, sondern ebenso die Effizienz der Verbrennung sowie Verarbeitung des Zuckers im Körper.“ – Adam Gorrill

11. Außerdem ist die Unterstützung von Freunden und Familie unverzichtbar.

Chloe Tucker

„Meine Familie gab mir unglaublichen Rückhalt, als es bei mir diagnostiziert worden war. Diese lebenslange Krankheit als Diagnose zu bekommen, war eine große Sache, und ich hatte massive Angst vor Nadeln, somit war es echt schön, dieses große, unterstützende Netzwerk um mich herum zu haben, welches mir da durchhalf.“

„Jeder hat Tüten voll Gummibärchen zu Hause für mich – nur für den Fall, dass ich unterzuckert bin. Meine Freunde sind echt großartig, wenn ich bei ihnen abhänge. Nicht nur, wenn ich möchte, dass darüber rumgealbert und Spaß gemacht wird, sondern auch, wenn es mir zu viel wird. Sie sind immer da, um mir zuzuhören, wenn ich mich egal über was beklage, das fertigmacht.“ – Chloe Tucker