Diese CDU-Kampagne gegen Waffenexporte ging heute viral – und ist ein FAKE

„CDU. Mit. Gefühl. Deutschland verzichtet auf Kleinwaffenexporte.“

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Eine eigene Webseite. Ein Video, so trashig, dass es schon fast wieder cool ist. Eine Kampagne bei change.org. Eine E-Mail an mehr als 350 Ortsverbände und Beiträge in rund 100 Facebook-Gruppen. Heute morgen startete der CDU-Ortsverband Schwenke eine Kampagne gegen die Rüstungsindustrie.

Der Hashtag #cdumitgefuehl trendete auf Twitter.

Mit Freude.

Es geschehen Zeichen und Wunder: Ein CDU-Ortsverband stellt sich gegen Kleinwaffen #cdumitgefuehl https://t.co/4JwcjJAhv0

Mit Fragezeichen.

Echt? Petition aus @CDU-Basis fordert Merkel auf, Verzicht auf Kleinwaffenexporte durchzusetzen https://t.co/65nEf9WgUj

Mit Spott.

Bis gestern war #CDUohneGefuehl. Ab heute offiziell #CDUmitGefuehl. Brauchen sie nur noch das passende Personal..

Selbst internationale Medien berichteten.

Der Haken: Einen CDU-Ortsverband Schwenke gibt es nicht. Hinter der Aktion steckt nach Informationen von BuzzFeed News das Aktivisten-Kollektiv Peng und das Schauspiel Dortmund.

„Die christliche Wählerbasis der CDU fordert Kanzlerin Angela Merkel auf, einen Verzicht von Kleinwaffenexporten in Deutschland durchzusetzen.“ So beginnt der Aufruf auf cdu-mit-gefuehl.de, einer von Peng angelegten Webseite. Weiter unten heißt es: „Für den Christ in der Christdemokratie.“

Ein Video zeigt Brigitte Ebersbach, die angebliche Vorsitzende des angeblichen CDU-Ortsverbandes Schwenke. Ebersbach ist eine Kunstfigur, gespielt wird sie von Anett Struck, Schauspielerin am Theater Dortmund.

Sogar für den angeblichen Ortsverband Schwenke haben die Aktivisten eine eigene Webseite aufgesetzt. Das gefälschte Copyright ist von 2011, die Texte gehen zurück bis in den August vergangenen Jahres. Probleme an Hauptschulen. Neujahrsempfang. Ehrung langjähriger Mitglieder. Familiennachmittag. Kaffeetrinken. Ein Leitantrag, passend zum Landesparteitag. Den angeblichen Besuch der CDU Höxter in Schwenke bebildern die Aktivisten mit einem realen Foto der CDU Steinheim. Kein Wunder, dass die Seite täuschend echt aussieht.

Die Kampagne haben die Peng-Aktivisten an mehr als 350 CDU-Ortsverbände geschickt. Nicht nur die Bibel, auch das Grundgesetz verbiete im Artikel 26 Handlungen, die das friedliche Zusammenleben der Völker stören, schreiben sie in einer E-Mail an die Ortsverbände. „Die unrühmliche Rolle des massiv wachsenden deutschen Waffenhandels steht in klarem Gegensatz zu unseren Werten.“

„Wir wollten zeigen, dass es eine christliche Wählerbasis gegen Waffenexporte gibt“, sagen Philipp Fischer und Lia Rea vom Peng-Kollektiv im Gespräch mit BuzzFeed News. Beide treten wegen ihrer manchmal provokanten Aktionen öffentlich nicht unter ihren echten Namen auf. Besonders einige zustimmende Tweets und Kommentare von CDU-Wählern haben die Peng-Aktivisten gefreut.

„Auch wenn der Initiator Fake ist, kann der Support für eine solche Aktion echt sein.“ – Peng

Ganz bewusst setzen die Aktivisten auf traditionell christliche Argumente. Um Menschen zu erreichen, die sie mit klassisch linker, antikapitalistischer Rhetorik nur verprellen würden. Die Aktion richte sich vor allem gegen den Export von Kleinwaffen, da diese 90 Prozent aller Kriegsopfer verursachten und durch unkontrollierbare Verbreitung oft in den Händen von Kindersoldaten oder Terroristen landeten, so Peng.

Mit ihrer Kampagne wollen die Aktivisten den Widerspruch zwischen dem christlichen C in der CDU und der Unterstützung für die Waffenindustrie aufzeigen. Die Aktivisten zitieren den wirtschaftspolitischen Sprecher der CDU, Joachim Pfeiffer. Der sagte 2014, die deutsche Rüstungsindustrie sei „ein wichtiger Innovationsmotor für den Industriestandort Deutschland und für mehr als 300.000 direkt und indirekt Beschäftigte ein verlässlicher Arbeitgeber. Es kann keinem daran gelegen sein, nun tausende Jobs leichtsinnig aufs Spiel zu setzen.“

„Für Arbeitsplätze nehmen wir Tote in Kriegen und Diktaturen in Kauf“, sagt Lia Rea von Peng. Auch wenn nun klar sei, dass die Aktion nicht von der CDU gestartet wurde, ruft Peng weiterhin dazu auf, die Petition zu unterstützen. Nach acht Stunden hatten die Petition etwa 500 Menschen unterzeichnet.

Daniel Drepper ist Chefredakteur von BuzzFeed Deutschland. Für seine Recherchen erhielt unter anderem den Wächterpreis, den Axel-Springer-Preis und den Ernst-Schneider-Preis. Kontakt: daniel.drepper@buzzfeed.com.

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