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Das passiert, wenn Du 8 Wochen keinen Zucker isst

Ich habe mich noch nie so sehr nach einem Apfel gesehnt.

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Wenn ich mich trösten oder belohnen will, dann esse ich. Süßigkeiten sind meine größte Schwäche. Schokolade, Kekse, süßer Cider, süßes Gebäck aller Art und Gummibärchen sind mein Kryptonit. Ich kann davon einfach nicht genug bekommen!

Fragt bloß nicht, was ich mache, wenn ich Käsekuchen sehe.

Ich weiß, dass Zucker nicht gut für mich ist. Ich konsumiere mehr als die 50g, die für den Tagesbedarf empfohlen sind, obwohl ich weiß, dass dies u.a. zu Gesundheitsproblemen und kaputten Zähnen führt. Aber Zucker gibt mir ein so gutes Gefühl wie der Klang der Klingel vom Eismann, der die Straße runterfährt. Er schmeckt wie heißer Kakao, mit dem ich es mir im Winter gemütlich mache, oder wie Brownies backen mit Freunden. Es schmeckt wie die Packungen Ben & Jerry's-Eis, mit denen mein Mitbewohner und ich eine Hitzewelle überstanden, als wir keine Klimaanlage hatten. Und er schmeckt wie die Cocktails, die ich trank, als ich meine bessere Hälfte zum ersten Mal traf. Zucker schmeckt wie das pure Glück und ich liebe ihn.

Es ist ein Problem.

Autoren, Gesundheitsgurus und Blogger auf der ganzen Welt predigen die Vorteile einer zuckerfreien Ernährung. Kochbuchautorin Ella Woodward veröffentlicht auf ihrem Blog Deliciously Ella seit Jahren zuckerfreie oder zuckerarme Rezepte. Promis wie Davina McCall und Sarah Wilson sind zwei der bekanntesten Vertreterinnen von Ernährungsformen, die Zucker vom Speiseplan streichen – und beide sagen, dass wir süchtig sind, wenn wir Zucker essen.

Ich wollte selbst ausprobieren, was es damit auf sich hat. Weil ich weiß, dass ich Deadlines, Druck und Geld brauche, um einen Plan in die Realität umzusetzen, beschloss ich, einen Artikel über meinen Selbstversuch zu schreiben. Wenn ich meine Liebe zu Zucker in den Griff bekommen will, wäre es das beste, das im Rahmen meines Jobs zu machen, dachte ich.

Ich entschied mich für das Acht-Wochen-Programm von Sarah Wilson, die früher bei der Cosmopolitan war und sich selbst als zuckersüchtig bezeichnet.

Wilson war Restaurantköchin und -kritikerin und hat 10 Bücher über zuckerfreie Ernährung geschrieben. Mit ihrem Buch (im Original "I Quit Sugar", kurz IQS), den Fortsetzungen sowie dem Goodbye Zucker -Programm für 8 Wochen baute sie ein regelrechtes Imperium zu dem Thema auf, mit dem sie in ihrer Heimat Australien mittlerweile 1,8 Millionen Dollar pro Jahr verdient. Dieser Erfolg überzeugte mich, nicht zuletzt weil ihr Programm sich eher auf Gesundheit und Glück konzentriert als auf den "perfekten Körper", den Davina McCall in ihrem 5-Wochen-Programm verfolgt. Außerdem hat Wilson einen super Haarschnitt.

Ihr Plan soll Dich in acht Wochen komplett vom Zucker wegbringen. Dann, am Ende der 8 Wochen, sollst Du langsam wieder an Zucker herangeführt werden, aber nur an den Zucker aus natürlichen Quellen wie Obst und Gemüse. Fructose und Saccharose werden als Zuckerquellen gestrichen. Du darfst keine Lebensmittel essen, die in 100g mehr als 3-6g Zucker haben. Das ist die Untergrenze für in der Natur vorkommende Zucker. Der britische NHS [die Organisation des britischen Gesundheitssystems] sagt auch, dass dies für "geringe Zuckermengen" steht.

Wilson bietet an, dem 8-Wochen-Plan zu folgen, wie sie ihn in ihrem Buch beschreibt, oder Mitglied einer Online-Community zu werden, in der man intensiver betreut wird. Das kostet einmalig 150 Dollar. Ihr Buch enthält auch Hinweise, wie man am besten durchhält, welche Arten von Zucker man jede Woche streichen soll und 108 Rezepte. In der Online-Community gibt es dann exklusive Rezepte, mit mehr Optionen für Vegetarier, Veganer und Leute mit Nahrungsmittel-Allergien. Außerdem gibt es Einkaufszettel und Essenspläne.

Ich entschied mich gegen das Online-Programm, weil ich wissen wollte, ob der Plan überhaupt zu meinem Geldbeutel passt. Der Preis für das Buch und die Zutaten war schon so hoch, dass mir die 99 Euro (der Gegenwert zu 150 australischen Dollar) zu teuer waren. Ich wollte wissen, ob sich jeder leisten kann, das Programm zu machen. Außerdem steht im Online-Programm, dass es auf dem Buch basiert, also sollte es doch möglich sein, auch nur mit dem Buch ans Ziel zu kommen.

Diese Regeln sind ziemlich streng und taugen nicht dafür, länger als ein paar Wochen angewendet zu werden. Wilson behauptet in Goodbye Zucker zwar, dass wir alle zu viel Zucker in Obst und Gemüse zu uns nehmen, aber meine Quellen beim NHS und der Britisch Diebetic Association BDA sagen, dass jemand, der sich ganz normal und ohne Einschränkung ernährt, dieses Problem überhaupt nicht hat. Im Gegenteil: Eine gewisse Menge an Obst und Gemüse am Tag seien wichtig für die Gesundheit. Der NHS-Ratgeber zum Zucker in Lebensmitteln sagt explizit, dass Zucker natürlich in Obst und frischer Milch vorkommt und wir uns bei diesen Lebensmitteln keine Sorgen über zu viel Zucker machen müssen.

Der NHS nennt keine klaren Zucker-Obergrenzen für unseren Tagesbedarf, sondern bezieht sich eher auf die Lebensmittel, die wir zusätzlich zu Obst und Milchprodukten zu uns nehmen. Wir sollen laut NHS nicht mehr als 5 Prozent unserer täglichen Kalorien aus Zucker beziehen, der in anderen Lebensmitteln als Obst, Gemüse und Milchprodukten steckt.

Getreide:

Zucker kommt von Natur aus in Getreide und Getreideprodukten vor, auch in komplexen Kohlehydraten wie Vollkornbrot oder Vollkornnudeln. (beides darf man laut IQS- essen). Goodbye Zucker enthält einige Paleo-Rezepte, die wenig Kohlehydrate haben, da unser Körper diese meist in Zucker umwandelt. Fleisch kommt in den Rezepten reichlich vor, was die Sache für mich komplizierter macht. Ich esse kein Fleisch! Als Vegetarierin musste ich in den Rezepten Fleisch gegen Getreideprodukte und Gemüse austauschen, außerdem massenhaft Eier essen, damit die Ernährung funktioniert. Aber da Wilson in ihrem Buch nie sagt, dass man gar kein Getreide mehr essen darf und da ich auch nicht abnehmen wollte, hielt ich das für eine gute Idee.

Anna Daniels, Ernährungsberaterin bei Honest Nutrition sagte mir, dass der vollständige Verzicht auf Kohlehydrate nicht gut für den Körper ist. "Obst, Gemüse, Milchprodukte und Nüsse enthalten Zucker. Wenn wir all diese Lebensmittel weglassen, bleibt nicht so viel übrig, was wir noch essen können! Wir brauchen Kohlehydrate, um Energie zu bekommen. Und aus dem Zucker in Obst und Gemüse zieht unser Körper Vitamine und Mineralien."

Schnaps

Warum ich glaubte, dass es eine gute Idee wäre, im Sommer nichts Süßes zu essen, verstehe ich bis heute nicht so richtig. Ich fasse es nicht, dass ich einwilligte, an den heißesten Tagen des Jahres nicht mal ein Wassereis essen zu können ("Nichts schmeckt so gut wie sich Schlanksein anfühlt" ist ein totales Schwachsinns-Mantra, wenn ihr mich fragt). Noch unfassbarer: Ein Sommer ohne Cider oder Pimms.

Das Goodbye Zucker-Programm erlaubt ab und zu ein Glas Bier oder Wein, aber sie erlaubt Dir keine süßen Drinks, von denen Du noch mehr Durst bekommst. Obwohl es nicht im Buch steht, steht auf den FAQ von Wilsons Seite, dass Trinken in Maßen okay ist, solange es trockene Weine, Spirituosen oder Bier ist. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein, aber Daniels bestätigte mir das. "Ein Glas trockener Wein am Abend bringt Nährstoffe, enthält kaum Zucker und ist kein Problem, wenn er in Maßen getrunken wird. Auch Bier hat nur wenig Zucker (2.2g/100g), ist also bei vorsichtigen Genuß auch ok." Wilson warnt vor den Kalorien im Alkohol, aber da ich kein Gewicht verlieren will, juckt mich das nicht ¯\_(ツ)_/¯

Ich wollte wissen, was ich überhaupt davon habe, mich mit so wenig Zucker wie möglich zu ernähren.

In Goodbye, Zucker zählt Wilson auf, von welchen Vorteilen der Ernährung ihr Leute erzählt haben, die ihren Anweisungen gefolgt sind:

- Gewichtsverlust

- Mehr Energie

- Weniger aufgebläht sein

- Weniger Heißhunger auf Süßes

- Bessere Konzentrationsfähigkeit

- Das Risiko, an Krebs, einer Leber- oder Herzerkrankung zu leiden, sank

Ein besseres Hautbild und tieferer Schlaf werden zwar nicht von Wilson erwähnt, an anderer Stelle aber oft auch als Vorteile der zuckerfreien Ernährung erwähnt.

Da diese Ernährung Folgen für Deinen Körper haben kann, solltest Du Dir von Deinem Arzt oder Deiner Ärztin grünes Licht holen, bevor Du damit beginnst, wenn Du eine Vorerkrankung oder Allergien hast.

Ich bin mit meinen 25 Jahren relativ gesund, mal abgesehen von meinem verspannten Rücken, einem ab und zu auftretenden Hautexzem (von dem ich nicht erwarte, dass es durch die Ernährung ohne Zucker besser wird) und meiner Allergie gegen Radfahrer auf dem Fußweg. Deswegen waren mir die versprochenen Gesundheits-Vorteile der Diät gar nicht so wichtig und ich wollte sie nicht weiter im Auge behalten. Das können Ärzte eh besser als ich.

Viele zuckerfreie Diäten oder Ernährungsweisen versprechen, dass Du damit abnimmst. Ich entschied mich dafür, dies nicht zu kontrollieren (wenn Du abnehmen willst, rede mit einer Ärztin oder einem Arzt, bevor Du mit der Ernährungsumstellung loslegst). Ich bin 1,67m und wiege 63 Kilo, womit ich einen BMI im normalen Bereich habe.

Mich interessierte mehr, wie sich mein Leben grundsätzlich verändern würde, wenn ich weniger Zucker esse, wie ich mich fühlen würde und ob es mir in meinem Alltag besser gehen würde.

Um mich auf meinen Zucker-"Entzug" vorzubereiten, ging ich zu Laura Clark, einer Ernährungsberaterin aus London. Ich wollte ihr meinen Plan für die nächsten acht Wochen zeigen und sie um Rat bitten, was meine Gesundheit für die nächste Zeit anging. Sie kannte Wilson und ihre Regeln nicht und sie war sehr skeptisch. Ich umriss die Hauptregeln der Ernährung und das erste, was sie sagte, war, dass es im Grunde unmöglich ist, Zucker so krass zu reduzieren, wie es Wilson und Co. behaupten

Clarke gab mir eine kleine Biologie-Stunde, in der sie mit Diagrammen und allen möglichen Hilfsmitteln zeigte, dass das Befolgen von Wilsons Anweisungen nicht zwingend dafür sorgen würde, wirklich den gesamten Zucker aus meinem Körper rauszubekommen.

Die ganze Idee, Zucker "aufzugeben", führt in die Irre, sagte Wilson. Denn selbst Lebensmittel, die wir nicht mit Zucker verbinden, wie z.B. kohlehydratreiche Lebensmittel wie Nudeln, enthalten lange Molekülstränge, die während der Verdauung zu Zucker zersetzt werden.

Laura Wilson gab mir den Rat, dass Zucker wie ein Treibstoff für unseren Körper ist. Wie viel wir essen, sollte davon abhängen, wie viel unser Körper verbraucht. Weniger Fertigprodukte zu essen ist eine gute Faustregel, aber eine Ernährung sollte sich weniger auf das Weglassen von Zucker konzentrieren, als darauf, Kohlehydrate, Eiweiß, Gemüse und Obst in ein gutes Gleichgewicht zu bringen. Auf diese Art bekommen wir unseren Zuckerkonsum in den Griff, akzeptieren aber, dass natürlich vorkommender Zucker weiter Teil unserer ganz normalen Ernährung ist.

Mein Gespräch mit Laura Wilson gab mir Gelegenheit, noch einmal über mein Endziel nachzudenken. Was ich wollte, war mich langfristig besser und gesünder zu ernähren. Ich nahm zur Kenntnis, dass natürlich vorkommender Zucker zu dieser gesunden Art der Ernährung gehört. Und selbst wenn ich Wilsons Tipps folgen würde und mich auf vollwertige Lebensmittel stürzen würde, wären einige Zuckerarten immer noch Teil meiner Ernährung und das wäre OK und sogar gut so.

Dann ging ich einkaufen.

Wenn Du auf Zucker verzichtest, fängst Du damit am besten in Deinem Küchenschrank und im Kühlschrank an.

Ich folgte den Ratschlägen in Goodbye, Zucker und einem Einkaufszettel, den ich mir geschrieben hatte, um einige Rezepte aus dem Buch nachzukochen. Ich füllte meine Vorräte dementsprechend auf, wobei ich mich erstmal auf die trocknen Zutaten konzentrierte. Die Milchprodukte und andere frische Lebensmittel wollte ich dann kaufen, wenn ich sie wirklich brauchen würde, und entsprechend meines wöchentlichen Budgets für Lebensmittel.

Die Neuanschaffung der zuckerfreien Lebensmittel war das teuerste an der ganzen neuen Ernährung. Es kostete mich über 150 Euro. Dazu kamen noch die Kosten für die neuen Vorratsbehälter, die ich kaufen musste, um alles frisch zu halten. Außerdem brauchte ich noch einen neuen Mixer, um mir wirklich all meine Gerichte selbst zu kochen, damit ich nicht versteckten Zucker zu mir nehmen würde.

Die Ausgaben waren so hoch, dass ich mir Sorgen machte, welche Folgen die zuckerfreie Ernährung für mein Konto haben würde. Mein Freund und ich hatten bisher so 70 bis 90 Euro pro Woche für Lebensmittel ausgegeben. Auf einen Schlag über 100 Euro für neue Vorräte auszugeben, schockierte mich. Aber ich hoffte, dass sich die Ausgaben lohnen würden und für einen guten Start mit dieser neuen Ernährungsweise sorgen würden.

Das habe ich gegessen:

Pochierte Eier und Avocados auf Toast, griechischen Joghurt und das selbstgemachte Müsli nach Sarah Wilsons Rezept, Süßkartoffeln, Falafel, Salat und viele, viele Eier.

In der ersten Woche gibt es noch keine riesigen, komplizierten Veränderungen, sondern eher kleine und einfache, sagt Wilson in ihrem Buch. Sie gibt einige Tipps, was Du von Anfang an austauschen sollst, zum Beispiel Marmelade gegen Avocado, Süßigkeiten im Kino gegen Popcorn, nur noch die Hälfte des Zuckers im Kaffee und Diät-Limo statt Limo. Ich war überrascht, dass ich das meiste davon eh schon mache.

Ich folgte Wilsons Idee, ein paar Apfelspalten und Halloumi zu frittieren und es als süßen Snack zu essen. Es war superlecker, aber nicht wirklich schnell und einfach zuzubereiten. Außerdem ist Halloumi teuer und es ist auch nicht so, dass Du mal eben die Bratpfanne im Büro rausholen kannst, wenn Du gerade Bock auf was Süßes hast.

Richtig Probleme bekam ich, als ich zum London Field Day-Festival ging. Mir war klar, dass Festivals der Albtraum sind, wenn Du auf Deine Ernährung achten willst. Du weißt einfach nie, was es dort gibt! Ich hielt mich an einem Bier fest und probierte ein veganes Rendang (ein indonesisches Gericht aus gebratenen Fleisch oder Gemüse und Soße), das ziemlich süß schmeckte. Am Ende tauschte ich es gegen die vegetarische Poutine (ein kanadisches Gericht aus Pommes Frites und Soße) meines Freunds, was für meine Gesundheit sicher nicht so richtig dolle war.

So ging's mir:

Die Nacht, bevor ich mit meinem Zuckerverzicht loslegte, benutzte ich die iOS-App Sleep Bot. Ich wollte messen, wie viel ich schlafe. Die App zeichnet Deine Bewegungen und Geräusche auf und gibt Dir eine ungefähre Vorstellung davon, wie Du geschlafen hast. ich war ein bisschen erkältet, aber laut der App habe ich 8 Stunden und 12 Minuten tief und fest geschlafen. Als ich aufwachte, hatte ich eine eine verstopfte Nase und Halsschmerzen und ich nahm nicht an, dass sich das durch meinen Verzicht auf Zucker bessern würde. Trotzdem hoffte ich, dass ich insgesamt einfach ausgeruhter und wacher sein würde. Das schien für Wilson zu funktionieren, also warum nicht auch für mich?

Es war nervig, aber nicht besonders anstrengend, das große Tief am Nachmittag zu überbrücken, für das ich sonst Schoko-Riegel brauchte (wahrscheinlich fühlte ich mich an meiner Ehre gepackt, da ich dieses ganze Experiment nur aus journalistischen Gründen in Angriff genommen hatte)

Ich merkte ein paar Mal, dass ich totalen Hunger auf etwas Bestimmtes hatte, aber ich war davon nie überwältigt. Meine Haut blieb so, wie sie vorher war. Überhaupt änderte sich für mich in dieser ersten Woche nicht viel. Außer, dass alle meine Gespräche sich auf einmal nur noch um "Das Experiment" drehten. Das sollte die ganzen 8 Wochen so bleiben.

Das habe ich gegessen:

Käse, Käse und nochmals Käse. Nudeln, Süßkartoffeln, Eier, Avocados, Joghurt, Quinoa und Gnocchi. Oh Mann.

Die 2. Woche war köstlich. Wahrscheinlich, weil das Ziel ist, ganz viel Käse und Nüsse (und normalerweise Fleisch, aber das esse ich ja nicht) zu essen. Wilson sagt, dass natürliche Fette und hochwertiges Eiweiss aus Eiern, Käse, Nüssen und Kokosnuss die beste Waffen gegen Heißhunger seien. Anna Daniels hielt in meinem Gespräch mit ihr dagegen, dass auch in Nüssen Zucker sei (6,2 Gramm in 100 Gramm Erdnüssen, zum Beispiel). Das bedeutete, dass ich als Gegenmittel gegen den Heißhunger Dinge aß, die über meinem Zuckerlimit von 3-6 Gramm pro 100 Gramm lagen. Soviel zu den Regeln von Goodbye, Zucker.

Wenn ich kochte, dann Rezepte aus Wilsons zweiten Buch I Quit Sugar for Life (liegt noch nicht auf Deutsch vor). Dort wird klar gezeigt, welche Gerichte in das 8-Wochen-Programm passen. Ihre süße Tarte Tatin mit Fenchel wird mit braunen Reis-Sirup gesüßt, aber ich war noch nicht in der Woche, in ich "sichere" Zucker-Alternativen benutzen durfte, also kochte ich die herzhafte Variante - Bäm, köstlich! Es war ein bisschen zeitraubend, ein bisschen teuer (Fenchel, Ziegenkäse, Blätterteig und Macadamia-Nüsse läppern sich), aber wirklich richtig lecker.

Das zweite Highlight dieser Woche war das griechische Soufiko aus dem I Quit Sugar For Life-Buch. Die Behauptung des Rezepts, dass dieses Gericht "lebensverlängernd" sei, kam mir ziemlich hochtrabend vor. Außerdem erzählt Wilson irgendwas von "winzigen Spritzern" Olivenöl, das ich nicht kapierte. Aber geschmacklich war das Gericht super. Außerdem brauchte ich dafür Sachen, die ich eh immer einkaufe (Gemüse und Olivenöl), was die ganze Sache praktisch, preiswert und lecker machte. Auch mit Kichererbsen als Eiweiss-Lieferant.

Den Rest der Woche hangelte ich mich mit meinen eigenen, preiswerteren Gerichten durch. Ich merkte, dass die meisten Sachen, die ich mir Mittags oder Abends zu Essen mache, eh schon im Rahmen von Wilsons Regeln waren, wenn ich sie ein bisschen veränderte, also zum Beispiel Sojasoße mit Tamari-Soße austauschte, die Möhren wegließ und meine eigenen Dressings und Nudelsaucen zubereitete. Wichtig war, auf Ketchup und Barbecue-Soße zu verzichten. Das war leichter, als ich dachte.

So ging's mir:

Nach der ersten Woche fühlte ich mich zuversichtlich, nach der zweiten ging es mir dank der leckeren Gerichte immer noch richtig gut. Ich fand die Ernährungsumstellung klasse. Mir machten die neuen Rezepte Spaß und ich fühlte mich fitter, weil ich bei Donuts, Kuchen und Schokoriegeln mit Cola dankend abwinken konnte. Nachmittags und abends hatte ich immer noch Momente, in denen ich mich nach etwas Süßem sehnte, meistens, wenn mir langweilig war oder wenn ich Stress hatte.

Am schwierigsten war es, abends mit Freunden unterwegs zu sein und nichts trinken zu können. Ich trinke gerne Cider,je süßer, je besser. Aber jetzt kam ich mir vor wie in einer Falle, wenn ich in die Kneipe ging. Ich hatte keinen Bock, Geld für einen Drink auszugeben, den ich nicht wirklich wollte. Ich mag ein gutes Glas Wein, aber es kam mir wie eine lästige Pflicht vor, ihn bestellen zu müssen, obwohl ich doch eigentlich nur ein bisschen entspannen wollte. Am Wochenende die Finger von leckeren Snacks zu lassen war auch schwierig. Ich versuchte, mich ständig abzulenken und zu beschäftigten, um nicht meiner Lust auf Schokolade nachzugeben. Zu meiner Überraschung merkte ich, dass man sich auch an gesunden Sachen überfressen kann, ganz egal, ob man den Zucker weglässt. Eine Packung Gummibärchen mit zwei Handvoll Nüssen zu ersetzen, ist nicht wirklich schlau. Weil es aber theoretisch innerhalb der Regeln ok war, machte ich es trotzdem.

Das habe ich gegessen:

Halloumi, überbackenes Fladenbrot, Rührei, Salat, Süßkartoffeln und eine Tonne Käse!

In der 3. Woche find ich an, mich von Wilsons Kochbuch zu entfernen. Grund dafür war mein Versuch, ihren Spinat-Fenchel-Smoothie zuzubereiten, der in einer absoluten Katastrophe endete (Ich hasse grüne Getränke, sorry!). Ich hielt mich mehr an Food-Bloggerinnen und -Blogger. Ich versuchte mich am Süßkartoffel-Eintopf von Minimalist Baker, und das Gericht kam sofort auf meine neue Favoriten-Liste (auch ohne Ahorn-Sirup schmeckt der Eintopf einfach köstlich). Mit selbstgemachter Fladenbrot-Pizza ohne Tomatensoße und Heißer Schokolade aus Back-Kakao und Kokos-Creme hangelte ich mich ohne Zucker durch die Woche.

Ich ernährte mich von gegrilltem Käse, als ich auf das British Summer Time-Festival ging. Zum Frühstück gab es Joghurt oder Avocados mit pochierten Eiern aus der Mikrowelle. Und dann passierte es, der Moment, auf den ihr sicher schon gewartet habt … ich schummelte! Es war zwar nur ein Versehen, aber es stellte sich raus, dass die Gemüse-Chips von Pret a Manger total über meiner Zuckergrenze lagen. Getrocknete Rote Bete und Möhren fallen theoretisch unter die "Kein Trockenobst oder Gemüsechips"-Regel und es stellte sich heraus, dass dies aus gutem Grund so ist. Ich merkte mein Versehen erst nach der Hälfte der Packung, als ich gerade unterwegs war. Verdammt! Ich atmete erstmal tief durch. Wilson sagt, dass es ok ist, Fehler zu machen, solange wir uns danach wieder auf unser Ziel konzentrieren und einfach weiter machen.

Was soll´s. Niemand ist perfekt.

So ging's mir:

Trotz des Gemüse-Chips-Fiaskos hatte ich in der 3. Woche das Gefühl, dass ich jetzt richtig drin bin. Ich schlief gut, ich war fröhlicher und ich hatte keine Durchhänger. Außerdem hatte ich auch keine Heißhunger-Attacken am Nachmittag, was auch half.

Beim Einkaufen für die dritte Woche stellte ich fest, dass ich die erschwinglichen und leckeren Gemüse-Rezepte von Wilson alle schon in den ersten beiden Wochen gekocht hatte.

Ich war ziemlich enttäuscht, fühlte mich ein bisschen verarscht und wünschte, ich hätte mich doch für das 8-Wochen-Programm online angemeldet. Dann hätte ich einen maßgeschneiderten Ernährungsplan für jeden Tag bekommen. Aber dann dachte ich, dass die Rezepte online wahrscheinlich auch nicht erschwinglicher gewesen wären als die im Buch. Also hätte ich noch mehr Geld ausgeben müssen und das hätte mich auch genervt.

Das habe ich gegessen:

Salat, Spiegelei, Eier auf Toast, Gnocchi, Joghurt, Suppe und jede Menge Zucchini.

Die ganze Woche über kochte immer wieder zwei Gerichte, die hauptsächlich aus Zucchini bestanden. Ich liebe Zucchini, also war das für mich kein Problem, aber mein Versuch, diese Zucchini-Puffer hier nachzukochen, ging leider komplett schief. Sie wurden matschig und nicht knusprig. Das machte mich ganz schön unzufrieden und sauer.

Wilsons Zucchini-Käsekuchen klappte schon besser, auch wenn der Name des Gerichts in die Irre führt. Der Kuchen wird in der Pfanne gemacht und ist kein bisschen wie ein echter Käsekuchen. Er wird im Buch als Frühstücksrezept aufgeführt, aber ich hatte morgens keine Zeit, mal eben ein Gericht in der Pfanne zu kochen. Also kochte ich das Gericht abends. In dem Gericht ist total viel Käse, was ich extrem köstlich fand. So sehr, dass ich die Reste am nächsten Morgen zum Frühstück aß. Ich werde es auf jeden Fall noch mal kochen – für besondere Anlässe. Denn der ganze Käse macht es ziemlich teuer.

So ging's mir:

Ich schlief die ganze Woche über immer noch gut, so sieben bis acht Stunden pro Nacht. Meine Stimmung und mein Energielevel blieben stabil, obwohl meine Kolleginnen und Kollegen irgendwann meinten, ich hätte einen schlechten Tag und wäre genervt (sorry).

Es fiel mir immer noch schwer, mit Freunden auszugehen und ich hatte das Gefühl, irgendwie von dieser Art der Ernährung gefangen zu sein. Andererseits fühlte ich mich gut, weil ich immer weitermachte. Ich hatte keinen Heißhunger, aber ich war schon gefrustet, dass ich nicht einfach essen konnte, was ich wollte, und zwar wenn ich es wollte.

Das hab ich gegessen:

Gnocchi, Kidney-Bohnen und Reis, herzhafte Crepes, vegetarische Schnitzel, Süßkartoffeln und ganz viel Avocado.

In der 5. Woche hatte ich Erfahrung mit meiner neuen Ernährung. Ich hielt mich an Gerichte mit viel Eiweiss und gesunden Fetten, um mein Nachmittagstief zu überbrücken. Erdnussbutter und Reiswaffeln wurden meine besten Snack-Freunde, auch wenn Wilson einen Löffel Kokosöl empfiehlt, um sich zwischendurch zu stärken. NEIN DANKE! Ich hatte ein besseres Gefühl dafür, was ich essen kann und was nicht. Und ich begann herumzuprobieren mit Dingen, von denen ich wusste, dass sie mir schmecken würden.

Ich kochte wieder einige von Wilsons Rezepten, auch die kalte Avocado-Suppe (eigentlich mag ich keine kalten Suppen, aber ich gab Kokosmilch und Joghurt hinein und es wurde richtig lecker). Ich war sogar mutig genug, den zweiten grünen Smoothie von Wilson auszuprobieren. Da kommt Grapefruit rein - Halleluja! Endlich wieder süßes, köstliches Obst! Vielleicht hatte ich einfach nur zu lange keine Früchte mehr gegessen, aber das kleine Stück Grapefruit, das in diesem Smoothie war, verwandelte ihn zum köstlichen Getränk auf der ganzen Welt. Obwohl er aus Wasserkresse (ja, Wasserkresse) war.

So ging's mir:

Gott sei DANK gab es Grapefruit. Sonst wäre meine Woche wohl ziemlich schlecht gewesen. In der fünften Woche vermisste ich einfach etwas Süßes ab und zu. Mir ging es auf die Nerven, ständig die angebotenen Süßigkeiten im Büro ablehnen zu müssen. Am meisten vermisste ich aber einfach ein Stück Obst.

Laut Buch ist das große Thema der fünften Woche, sich mit Zucker-Alternativen abzulenken. "Nimm ein Schaumbad, wenn Du Heißhunger bekommst", sagt Wilson. Oder "Konzentrier Dich auf Deinen Atem und erfreue Dich an der frischen Luft, bevor Du den Heißhunger Deine Gedanken beherrschen lässt". Mal ehrlich: Ein Apfel ist einfach besser als ein Schaumbad, vor allem, wenn Du ihn auf keinen Fall essen sollst. Das wussten schon Adam und Eva.

Ich merkte, wie ich immer unruhiger und unzufriedener mit dem Programm wurde – der größte Gewinn, den es mir bisher gebracht hatte, war, Obst wieder richtig schätzen zu lernen. Was verboten ist, das wird eben attraktiv. Aber ich riss mich zusammen und tat so, als wären meine Babybels Bananenstücke. Ich freute mich auf die sechste Woche, in der die Rückkehr ein paar süßer Sachen auf dem Plan stand. MEIN KÖRPER WAR BEREIT DAFÜR!

Das hab ich gegessen:

Pfannengerichte, Avocado, Eier, Wraps mit Bohnen, HIMBEEREN und echten Käsekuchen

Die sechste Woche hatte ich heiß herbeigesehnt und mich schon darauf vorbereitet. Am Abend, bevor sie losging, bereitete ich den Crunchy Nut-Käsekuchen vor (einen echten Cheesecake, nicht die Frühstücks-Pfanne, die Wilson mir vorher als Käsekuchen verkauft hatte), damit ich ihn gleich am nächsten Tag essen konnte.

Der Käsekuchen war perfekt, aber mit all den Zutaten kostete er dreimal so viel wie ein Käsekuchen aus dem Laden. Außerdem war er so gehaltvoll, dass ich nur ein Stück essen konnte, ohne mich hoffnungslos zu überfressen. Am Ende brachte ich den Kuchen mit ins Büro. Ich fands ganz schön krass, dass ich am Ende von einem Kuchen, für den ich 30 Euro ausgegeben hatte, gerade mal ein kleines Stück essen konnte. Irgendwas stimmte hier ganz gewaltig nicht.

In der gleichen Woche probierte ich Wilsons Himbeereis. Das war ganz ok, aber mehr auch nicht. Im Rezept steht, dass man Kakao, gesalzene Butter, Kokosöl und eine kleine Hand voll Himbeeren vermischen und in den Tiefkühler geben soll. Wenn das ganze gefroren ist, soll man es wie einen Schokoriegel in der Mitte zerbrechen und essen. Die ölige Konsistenz der gefrorenen Butter war komisch, um es vorsichtig auszudrücken. Außerdem waren viel zu wenig Himbeeren drin.

Die Moral von der Geschichte? In ein Dessert gehört Zucker. Alles andere ist Augenwischerei.

So ging's mir:

Die sechste Woche war fantastisch in dem Sinn, dass ich mich für den ganzen Verzicht belohnen konnte und mich wieder auf das Dessert freuen konnte. Dennoch kam ich mir irgendwie verarscht vor. Das Dessert, das ich laut Plan essen durfte, war einfach nicht lecker genug. Immerhin bekam ich keinen Heißhunger auf Schokolade durch die ganzen "Fast so gut wie Schokolade"-Versuche. Also war die Woche ein Erfolg.

Was den Rest angeht, blieb meine Haut ok, mein Schlaf war gut und ich war nicht mehr so traurig, weil ich keine Süßigkeiten essen konnte. Das einzige, was richtig litt, war mein Konto. Die normale Einkaufsliste für die Woche war so 10 Euro teurer als sonst, aber ich musste mir für einige Rezepte Dinge kaufen (eine Million geschälte Pistazien, riesige Mengen Frischkäse und genug gemahlene Nüsse, um einen Boden für einen Kuchen daraus zu machen), die ich nur einmal brauchte und die ein Riesenloch in mein Budget rissen. Am Ende kostete mich das zuckerfreie Dessert 40 Euro mehr, als ich in meinem Wochenplan veranschlagt gehabt hatte. Eine ganz klare - und blöde - Folge des 8-Wochen-Experiments war also ein Loch in meinem Konto.

Das hab ich gegessen:

Quiche, Falafel, Salate, Gemüsepfannen, Tortellini, Avocados und Pfannkuchen!

In der siebten Woche machte ich weiter mit den "sicheren" Zucker-Alternativen. Gemäß Wilson sind das vor allem brauner Reis-Sirup und Stevia. Ich tröpfelte ein bisschen Reis-Sirup über meine Pfannkuchen, nachdem ich karamellisierte Äpfel als Topping zubereitet hatte, und obwohl Wilson sagt, man soll am Ende Stevia darüber stäuben, war mir das zu kompliziert (ich fand es zu teuer und zu schwierig zu besorgen). Der braune Reis-Sirup schmeckt nach so gut wie nichts und die Pfannkuchen hätten wahrscheinlich auch ohne gut und süß genug geschmeckt durch die Äpfel und die geschmolzene Butter.

In der siebten Woche bekam ich das erste Mal Probleme mit einer Karte im Restaurant. Vorher war ich ein paar Mal essen gegangen oder hatte mir was zum Mitnehmen bestellt, und hatte dabei immer ein Gericht gefunden, dass in meinen Essensplan gepasst hatte. Aber dann ging ich vor einem Ballettabend ins Restaurant Banana Tree und da erwischte es mich. Erstmal gab es kaum Gerichte ohne Fleisch, außer ein paar Gemüsepfannen und Curries. Die Curries waren alle mit Palmzucker oder anderen Zuckerarten gesüßt und ich wusste, dass die Sojasoße, die auf den anderen Gerichten ist, auch nicht in den Plan passte.

Ich fragte die Kellnerin, ob ich meine Bestellung auch ohne Soße haben könnte, aber sie sagte, das ginge nicht. Also biss ich die Zähne zusammen und bestellte das, was mir am wenigstens "schlimm" vorkam: Eine Gemüsepfanne, die nicht so süß war wie das vegane Rendang, das ich in einer ersten Woche gegessen hatte. Ich war zuversichtlich, dass mir diese kleine Abweichung vom Plan so kurz vorm Ende des 8-Wochen-Programms kein Problem sein würde. Wilson selbst sagt, dass man solche Erfahrungen nicht als Ausrutscher ansehen soll, sondern als Experiment.

So ging's mir:

Die siebte Woche war richtig aufregend – ich wusste, dass ich näher zum Ende kam und die Regeln wurden lockerer.

Ich durfte ein bisschen locker lassen und Früchte zum Frühstück essen, was ich einfach toll fand. Es machte mich auch gieriger auf noch mehr Früchte und endlich wieder etwas Zucker in meiner Ernährung.

Körperlich fühlte ich mich so wie sonst auch, aber ich merkte schon, wie es mir auf die Nerven ging, mich immer noch einzuschränken, sogar bei gesunden Sachen. Die Sache im Restaurant machte mich auch sauer. Es nervte mich, dass mir ein Gericht, das ich unter normalen Umständen sofort bestellt hätte – es war mit Gemüse und klang richtig lecker – wegen ein bisschen Sojasoße ein schlechtes Gewissen machte. Ich merkte, wie mir die Regeln an die Substanz gingen und ich war bereit, wieder meinem eigenen Kompass zu folgen.

Das hab ich gegessen:

Süßkartoffeln, Gemüsepfannen, Eier, Clementinen, Rhabarber, Bananen und Äpfel.

In der achten Woche ging es für mich darum, das Gleichgewicht zu finden und soviel Obst zu essen, wie ich wollte. Ich vergaß einfach Wilsons Rezepte und achtete nur noch darauf, was ich in meine eigenen Rezepte machte. Ich hatte das Gefühl, massig Obst zu essen, aber es war am Ende auch nicht mehr als die empfohlene Tagesmenge von fünf Handvoll am Tag.

Ich aß eine richtig leckere Banane, Rhabarber, einen Haferflocken-Smoothie ohne ein Gramm Zucker, tonnenweise Gemüsegerichte und viel Obst, um mich zurück in das Land zu bringen, in dem Zucker und Honig fließen.

So ging's mir:

Je näher das Ende der achten Woche rückte, umso dankbarer war ich, dass ich bald wieder essen konnte, was ich wollte. Mir ging es gut, ich war gesund und ich kann nicht sagen, dass ich mich irgendwie anders fühlte als zu Beginn des Programms. Ich war aber froh, meine Erfahrungen aus den letzten Wochen wieder mit in meinen Alltag zu nehmen.

Am letzten Abend meines 8-Wochen-Programms schlief ich sieben Stunden und sieben Minuten. Das war genauso lang wie vor meiner Zeit ohne Zucker. Meine Haut hatte sich durch das Programm auch nicht total verbessert. Im Grunde fühlte ich mich genauso wie vorher, nur, dass ich jetzt nachmittags keinen Heißhunger mehr auf Schokolade hatte. Das fand ich wiederum richtig klasse und befreiend.

Zu Beginn der neunten Woche – äh, Quatsch, ich musste ja jetzt gar keine Wochen mehr zählen – fühlte ich mich unter Druck, meinen ersten Tag mit Zucker seit acht Wochen richtig zu genießen. Mir war klar, dass ich nach dem Programm weitermachen wollte wie vorher und meine Ernährung nicht umstellen wollte. Dafür liebte ich ein Cider im Pub oder ein süßes Frühstück einfach viel zu sehr. Das einzige, was ich in den vergangenen acht Wochen gelernt hatte, war, dass es Sinn ergibt, sich bewusst zu ernähren und Grenzen zu setzen. Außerdem hatte ich gelernt, dass ich meinen Schoki-Heißhunger auch anders zähmen konnte als mit Süßigkeiten. Aber sich nie und nimmer auch mal etwas Süßes zu gönnen, war mir einfach viel zu langweilig.

Wilson schreibt zur achten Woche, dass sie nicht glaubt, ihre Leserinnen und Leser würden nach ihrem Programm den Zucker vermissen. Sorry, Sarah. Stimmt nicht. Ich vermisste ihn sehr. Ich vermisste es, frei entscheiden zu können, ob ich gerade etwas Süßes wollte oder nicht und ich vermisste die buchstäbliche Süße in meinem Leben. Einen Sommercocktail in der Sonne trinken, ein Eis im Park essen, ein leckerer Geburtstagskuchen – das alles gehört für mich zu einem guten Leben. Mein Verzicht auf Zucker hatte mir so wenig gebracht, dass ich nicht einsah, für solche Resultate für immer auf ein bisschen rohen Kuchenteig aus der Rührschüssel zu verzichten. So kann und will ich nicht leben. Sorry.

Also machte ich mir erstmal ein paar Muffins mit braunen Zucker, Honig und allem drum und dran, schlürfte ein paar Cocktails und meinen Lieblings-Cider und ging heim. Ich flippte nicht aus und überfraß mich. Ich hatte, was ich wollte, aber ich rannte nicht in den nächsten Laden und stopfte mir alle möglichen Süßigkeiten in den Einkaufswagen. Für mich war das so alles super.

Über die nächsten Wochen, als ich langsam wieder in meine alte Ernährung zurückfand, stellte ich fest, dass ich von selbst mehr darauf achtete, was ich aß. Ich liebte das selbstgemachte, zuckerfreie Müsli aus Wilsons Rezepten (Sarahs größtes Geschenk an mich!) und ich hatte null Heißhunger auf Schokolade, was total seltsam war. Die Nachmittage überstand ich jetzt mit vollwertigeren Alternativen zu Süßigkeiten und das fühlte sich gut an. Ich nahm stärker wahr, wie es mir ging, wenn ich Süßigkeiten aß. Zwei Wochen nach dem Ende des Zucker-Verzichts trank ich sieben Gläser Cider und war nicht mal beschwipst. Stattdessen hatte ich tierische Kopfschmerzen, was ich auf die Riesenmenge Zucker in diesem Getränk schiebe.

Am Ende war der Verzicht auf Zucker einfach nicht mein Ding. Das geht wahrscheinlich den meisten Leuten so, die von ihrem Arzt dazu gezwungen werden. Die Vorteile, die der Verzicht laut Wilson hat, traten bei mir nicht ein (mein Gewicht veränderte sich nicht um ein einziges Gramm, falls das wen interessiert), und ich fand ihre Rezepte zu zeitraubend und teuer.

Trotzdem hat mir das Programm geholfen, mich ausgewogener zu ernähren. Ich weiß besser, worauf ich leicht verzichten kann und worauf nicht. Ich lernte dadurch auch, Süßigkeiten richtig wertzuschätzen und nicht ohne Nachdenken in mich reinzuschaufeln.

Während des Experiments habe ich einen Rat wirklich schätzen gelernt. Er kommt nicht von Sarah Wilson, sondern von Anna Daniels. Sie sagt, dass Du Dich besser fühlst, wenn Du mehr unverarbeitete Lebensmittel wie Obst und Gemüse isst und weniger Fertigprodukte zu Dir nimmst. Die enthalten nämlich viel Zucker, aber wenig Nährstoffe. Außerdem hilft es, ganz grob darauf zu achten, nicht zu viel Kohlehydrate zu Dir zu nehmen.

Diese einfache Faustregel habe ich im Kopf behalten und sie hilft mir, mich besser zu ernähren und schon beim Einkaufen darauf zu achten, was mir gut tut. Ich habe gelernt, wie ich mich besser ernähre, ohne mein Konto zu strapazieren. Dafür muss ich keine besonderen Rezepte kochen oder Ersatzprodukte benutzen, die teuer sind oder mir nicht schmecken.

Meine größte Hoffnung zu Beginn des Experiments war gewesen, dass ich irgendwie auf magische Art und Weise aufhören würde, gerne Süßes zu essen. Ich stellte mir vor, auf einmal einen grünen Smoothie zum Nachtisch bestellen zu können und ihn megalecker zu finden.

Das passierte nicht.

Ich blieb einfach Ich und ich liebe eben Süßes. Ich liebe Eiscreme im Sommer, ich liebe es, frisch gebackenes Brot zu essen, das noch warm ist, weil es mir ein Glücksgefühl gibt und mich von innen wärmt. Ich liebe Wein und Cider zum Nachtisch.

Und das ist auch gut so.

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