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Sie entschied sich für eine Abtreibung, um nicht ihre tote Tochter austragen zu müssen

"Ich bin einfach froh, dass unsere Geschichte nicht mit unserer Tochter starb."

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Am 19. Oktober 2016 berichtete Paradiso über ihre Erfahrung mit 23 Wochen eine "Spätabtreibung" vornehmen zu lassen. Seitdem ging der Post viral und wurde über 100.000 Mal geteilt.

Facebook: lindsey.shaffer

"Ich habe mir die [dritte Präsidentschaftsdebatte] angesehen und als ich Trump sagen hörte, dass Spätabtreibungen Babys mit neun Monaten aus der Mutter reißen, bekam ich eine volle Panikattacke. Ich fing an zu schluchzen, weil ich nicht fassen konnte, dass Menschen wirklich glauben, dass das passiert. Deshalb musste ich meine Geschichte teilen und die Dinge richtigstellen", erzählt Paradiso BuzzFeed Health.

Seitdem im US-Bundesstaat Virginia ein Abtreibungsverbot nach 20 Wochen diskutiert wird, zirkuliert Paradisos Geschichte wieder in den sozialen Netzwerken,

Im Februar 2016 war Paradiso 18 Wochen mit ihrer Tochter Omara schwanger, als Ärzte während eines Ultraschalls eine verdächtige Wucherung am Hals des Babys entdeckten.

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Die Ultraschallaufnahme zeigte eine Blase an Omaras Hals. Die Ärzte befürchteten ein "Teratom", einen seltenen Tumor und ordneten ein MRT an.

"Der Arzt sagte uns, es sei in unserem Interesse die Schwangerschaft abzubrechen, weil ihr Tod ziemlich unvermeidbar war ... aber wir wollten nicht, dass unser Baby stirbt ... wir wollten Omara eine faire Chance geben", erzählt Paradiso in ihrem Blog.

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"Wir wollten sie um jeden Preis", so Paradiso. Darum entschloss sich das Paar zu warten, bis Omara mit 27 Wochen überlebensfähig war, um sie operativ zu entbinden. Dann hätten Ärzte am Tumor operieren und das Überleben des Babys sichern können.

"Wir hätten sie frühzeitig durch eine sogenannte "EXIT procedure" entbinden müssen. Das ist im Grunde ein größerer und riskanterer Kaiserschnitt. Ihr Tumor war so massiv, dass sie mit 27 Wochen zu groß gewesen wäre, um sie vaginal zu entbinden", so Paradiso.

Mit dem Eingriff, der notwendig war, um Omaras Leben zu retten, lief die werdende Mutter zudem Gefahr, unfruchtbar zu werden. Das Risiko hätte die Fotografin jedoch auf sich genommen, um das Leben ihrer Tochter zu retten.

Drei Wochen später bestätigte das MRT, die schlimmsten Befürchtungen des Paares: Der Tumor war um ein Dreifaches gewachsen und wucherte in Omaras Kopf, ihre Brust, ihre Lunge und ihre Augen. Er war inoperabel.

"Wir hatten immer noch Hoffnung. Die Ärzte sagten, dass sie ein oder zwei Fälle davon pro Jahr sehen", so Paradiso. Ein kleines Mädchen mit demselben Tumor wie Omara zum Beispiel musste zwar sein erstes Jahr auf der Neonatal-intensivstation verbringen, doch führt jetzt ein einigermaßen normales Leben.

Jedoch stellte sich heraus, dass Omaras Fall weitaus gravierender war, denn ihr Tumor wuchs auch in ihrem Gehirn. "Es war ein aggressives Lymphangiom und inzwischen drei Mal so groß wie ihr Kopf. Die Ärzte waren sich zu 99% sicher, dass es tödlich sein würde", sagte Paradiso.

Die Ärzte gingen davon aus, der Tumor würde Omara vor dem Alter von 27 Wochen töten. Zu diesem Zeitpunkt hätte Paradiso die "EXIT Procedure" vornehmen lassen müssen. Der Tumor wäre dann zu groß für eine Ausschabung gewesen.

Lindsey Paradiso / Via facebook.com

"Ich war bereit zu riskieren, nie wieder Kinder zu haben, sofern das bedeutet, dass Omi überleben kann. Doch da wir nun wussten, dass sie vermutlich stirbt, bevor sie die Überlebensfähigkeit erreicht, konnten wir den Gedanken nicht ertragen, danach auch noch unfruchtbar zu sein", sagt Paradiso.

Sie und ihr Ehemann entschieden sich einen Eingriff vornehmen zu lassen, bei dem das Baby eine tödliche Injektion verabreicht bekommt und die Geburt hinterher eingeleitet wird.

"Unser Krankenhaus, in dem meine Geburtshelferin arbeitete, konnte den Eingriff nicht vornehmen. Wir mussten eine Stunde fahren — und wir hatten Glück, denn viele Teile von Virginia sind sehr restriktiv", sagt Paradiso.

"Ich lag 40 Stunden in den Wehen. Es war so schmerzhaft und anstrengend, aber ich wollte meine Tochter gebären, damit ich sie halten und mich verabschieden kann", erzählt Paradiso.

Courtesy of Lindsey Paradiso / Via facebook.com

Omaras Herz hat am 26. Februar aufgehört zu schlagen. Sie wurde am 28. Februar entbunden. "Es war so schmerzhaft", sagt Paradiso. "Ich wollte keine Medikamente bekommen, damit ich mich an alles erinnern kann. Doch nach 12 Stunden, auf halbem Wege, konnte ich einfach nicht mehr und bekam eine PDA. Als ich sie entband, fühlte sich das wie ein außerkörperliches Erlebnis an."

Die Familie entschied sich, Omara zu beerdigen und hielt eine kleine Trauerfeier für sie ab.

In Virginia ist Abtreibung im ersten Trimester legal, im zweiten Trimester nur in lizensierten Krankenhäusern erlaubt und illegal im dritten Trimester, außer unter bestimmten Umständen.

Quackersnaps / Via gettyimages.com

Diese Umstände sind unter anderem Fälle, in denen die Fortführung der Schwangerschaft "voraussichtlich zum Tod oder zu körperlicher oder geistiger Beeinträchtigung der Mutter führt". In allen Fällen müssen Frauen staatlich gelenkte Beratung erhalten und 24 Stunden vor der Prozedur warten.

"Wenn es ein Abtreibungsverbot geben würde, fürchte ich, dass ich sie hätte austragen müssen. So wäre ich niemals in der Lage gewesen, sie in meinen Armen zu halten", sagt Paradiso.

Lindsey Paradiso / Via facebook.com

Seit ihrer Erfahrung ist Lindsey Paradiso einer Selbsthilfegruppe für Frauen beigetreten, die einen späten Schwangerschaftsabbruch hatten. Außerdem engagiert sich Paradiso bei NARAL, einem Interessensverband für Abtreibungsbefürworter.

Letzte Woche hat die junge Frau vor der Generalversammlung in Richmond als Zeugin ausgesagt, um zwei Frauen und ihre Gesetzesentwürfen zu Reproduktions-rechten zu unterstützen. "Die beste Art, die Gesetzgebung zu beeinflussen, ist, persönliche Geschichten darüber zu erzählen, wie sich diese auf dich ausgewirkt hätte, wäre sie in Kraft getreten", sagt Paradiso.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

Caroline Kee is a health writer for BuzzFeed News and is based in New York.

Contact Caroline Kee at caroline.kee@buzzfeed.com.

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