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Diese 18-Jährige verteilt Binden und Tampons an obdachlose Frauen

"Unsere Arbeit ist erst dann getan, wenn Menstruationshygiene kein Privileg mehr, sondern ein Recht ist."

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Das ist Nadya Okamoto, eine 18-jährige Erstsemester-Studentin an der Harvard University, die Camions of Care gegründet hat, ein gemeinnütziges Unternehmen, das Damenhygieneprodukte an obdachlose Frauen verteilt.

Courtesy of Nadya Okamoto

"Wir haben bereits Tausende von Damenhygiene-Care-Päckchen mit Tampons und Binden an obdachlose Frauen in Unterkünften oder auf der Straße verteilt", sagt Okamoto gegenüber BuzzFeed Health.

Wie schafft sie das? Ihre Non-Profit-Organisation arbeitet mit über 40 regionalen Stellen in Highschools und Universitäten zusammen, um gespendete Damenhygieneprodukte zu sammeln und Geldspenden dafür zu organisieren, diese an Frauen in den USA und mehreren anderen Ländern zu schicken.

Obdachlosigkeit ist für Okamoto kein Fremdwort. Nachdem ihre Mutter ihre Arbeit verloren hatte, verbrachte die damals 15-Jährige mit ihren Schwestern sieben Monate couchsurfend und ohne eigenes Dach über dem Kopf.

"Ich habe in New York gelebt, bis ich 9 Jahre alt war. Dann haben sich meine Eltern scheiden lassen und meine Mutter zog mit mir und meinen Schwestern nach Portland, Oregon", sagt Okamoto. Bis Okamoto in der 10. Klasse war, lief ihr Leben ganz normal weiter. Dann hat ihre Mutter ihre Arbeit verloren und konnte die Miete nicht mehr zahlen. Sieben Monate lang galt die Familie offiziell als obdachlos, während sie in Notfallunterkünften oder bei Freunden unterkam.

"Wir hatten zwar immer ein Dach über dem Kopf, aber trotzdem hatte ich wegen meiner Lebensumstände Angst und Depressionen, vor allem, weil ich in der Schule mithalten musste, wie alle anderen auch", erklärt sie.

Geld für Binden und Tampons ausgeben zu müssen, war das Letzte, worum sie sich Gedanken machen wollte. Wenn sie ihre Tage hatte, verpasste sie den Sportunterricht oder auch ganze Schultage, weil sie nicht vorbereitet war, so Okamoto.

Während der zweistündigen Pendelzeit zur Highschool lernte Okamoto andere obdachlose Frauen in Portland kennen, die ihr erzählten, dass sie keinen Zugang zu Damenhygieneprodukten hatten und stattdessen alte Papiertüten, Lappen oder Zeitungen aus dem Müll benutzten.

Cinty Ionescu / Via Flickr: energeticspell

Wenn die Hauptsorge ist, einen sicheren Schlafplatz, eine Mahlzeit oder warme Kleidung zu bekommen, sehen sich viele Frauen während ihrer Periode gezwungen, zu den billigsten Mitteln zu greifen.

Zu den Folgen mangelnder Monatshygiene gehören bakterielle Vaginose, Harnwegsinfekte und das lebensgefährliche toxische Schocksyndrom.

Obwohl unter obdachlosen Frauen ein großer Bedarf an Tampons und Binden besteht, stellen viele Notunterkünfte diese nicht zur Verfügung.

Olvas / Getty Images / Via thinkstockphotos.com

"Es herrscht ein solches Stigma, dass diese Frauen davor zurückschrecken, über ihre Regel zu sprechen, ganz zu schweigen davon, sich für sich selbst einzusetzen und in den Unterkünften nach Hygieneprodukten zu fragen", so Okamoto.

Weil es vielen Frauen viel zu peinlich ist, nach Binden und Tampons zu fragen, gibt es keinen klar erkennbaren Bedarf, um den sich Notunterkünfte oder Non-Profit-Organisationen mit Geldmitteln und anderen Ressourcen kümmern könnten, sagt Okamoto. Deshalb haben viele dieser Organisationen keine strukturierten, kontinuierlichen Programme, um diese Produkte bereitzustellen, wie es sie für Nahrungsmittel oder Kleidung gibt.

"Die ganze Sache ist ein Teufelskreis von Angebot und Nachfrage, der verhindert, dass obdachlose Frauen die Hygieneprodukte bekommen, die sie so dringend brauchen", erklärt Okamoto.

"Binden und Tampons zu verteilen und den Frauen zu zeigen, dass uns ihre Regel nicht egal ist, hat mir klargemacht, wie viel sich mit so einfachen Taten erreichen lässt. Das hat mich motiviert diese Organisation zu gründen", sagt Okamoto.

Camions of Care / Via Facebook: camionsofcare

"Ich konnte nicht schlafen bei dem Gedanken daran, was diese Frauen durchmachen müssen und dass es keine Organisationen gibt, die sich spezifisch dafür einsetzen, ihre Gesundheit zu verbessern", so die Studentin.

Nachdem Okamotos Familie ihre finanzielle Sicherheit zurück und wieder ein Zuhause hatte, gründete sie Camions of Care. "Es ist eine Non-Profit-Organisation von jungen Leuten, die die Monatshygiene durch Fürsprache, Bildung und Forschung managen will", erklärt sie.

Okamoto erinnert sich daran, dass beim zweiten Mal, als sie Care-Päckchen zu einer lokalen Obdachlosenunterkunft gebracht hat, eine Frau in Tränen ausbrach, weil sie so schockiert darüber war, dass sich irgendjemand für ihre Periode interessierte.

"Diese Erinnerung rührt auch mich immer noch zu Tränen, weil mir klar wird, wie wichtig das wirklich für Frauen ist", sagt Okamoto.

Camions of Care stellt Päckchen mit genug Tampons und Binden für eine Menstruationsblutung zusammen und die Organisation arbeitet mit lokalen Obdachlosenunterkünften zusammen, um sie an Frauen zu verteilen.

Camions of Care / Via Facebook: camionsofcare

Ein Päckchen enthält neun Tampons, fünf Slipeinlagen und vier Maxi-Binden. Dank großzügiger Spenden kostet es Camions of Care nur 1 US-Dollar diese zusammenzustellen, so Okamoto. Die Gruppe führt Events und Kampagnen durch, um die Produkte in "Care-Päckchen", die Frauen gegeben werden, zu verpacken.

Zunächst hat Okamoto die Päckchen den Unterkünften oder den obdachlosen Frauen in Portland selbst gebracht. Um mehr Frauen zu erreichen, schicken Okamoto and die 40 Camions-of-Care-Büros die Päckchen nun an Unterkünfte und gemeinnützige Organisationen in Städten im ganzen Land, die sie dann ihrerseits verteilen.

In den letzten zwei Jahren, so Okamoto, hat die Organisation Produkte für über 25.000 Perioden in 17 Bundesstaaten und neun Ländern verschickt.

Camions of Care / Via Facebook: camionsofcare

"Jedes Päckchen kann den Bedarf einer Frau für ihre gesamte Regel decken", sagte Okamoto. Sie versuchen auch, Frauen in vorübergehenden Unterkünften mit Zugang zu sauberen Badezimmern mit nachhaltigeren Produkte wie Menstruationstassen oder wiederverwendbaren Binden zu versorgen.

Die Nachfrage nach diesen Menstruationshygiene-Päckchen ist so sehr angestiegen, dass sie einigen Unterkünften absagen musste, so Okamoto, aber sie hofft, dass es nur vorübergehend ist.

Okamoto hofft, Camions of Care auszuweiten, um das Periode-Stigma zu brechen und Menstruationshygiene überall auf der Welt zugänglicher zu machen.

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"Zurzeit verteilen wir um die 1.500 Päckchen jeden Monat und wir arbeiten daran, unser Spendernetzwerk und unsere Geldquellen auszubauen, damit wir diese Zahl erhöhen können", sagt sie.

Ein anderes Ziel ist es, mehr Forschung zu betreiben und Daten zur Menstruationshygiene von obdachlosen Frauen in den Vereinigten Staaten zu sammeln, damit die Nonprofit-Organisation den Bedarf erkennen und Einfluss darauf nehmen kann.

"Unsere Arbeit ist getan, wenn Menstruationshygiene ein Recht ist, kein Privileg", sagt Okamoto.

Okamoto wurde neulich für ihre Arbeit bei Champions of Care zur '2016 L’Oréal Paris Women of Worth'-Preisträgerin ernannt und ist jetzt im Rennen um den Titel der nationale Preisträgerin - was ihr zusätzliche 25.000 US-Dollar für ihre Organisation einbringen könnte.

Die Studentin sagt, dass sie zu gewinnen hofft und die Geldmittel nutzen will, um mit ihren Care-Päckchen obdachlose Frauen in allen 50 US-Bundesstaaten und sogar in weiteren Ländern in Lateinamerika, Afrika und Südasien zu erreichen.

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