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Ich habe bekifft “American Ultra” gesehen, damit ihr es nicht machen müsst

Ich kann mich nicht an alles erinnern, was im Film passiert ist. Aber eins weiß ich noch: Es war extrem STRESSIG.

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11.30 Uhr: Ich sitze auf einer Fensterbank in einem der Hinterräume im Büro und kiffe. Ich kiffe im Büro. Living the dream, ey. Ich kiffe selten. Vor allem habe ich aber in meinem Leben noch nie so früh gekifft. Im Büro auch noch. Erwähnte ich bereits, dass ich im Büro kiffe?

Ach, ich habe ja noch gar nicht erklärt, warum ich das mache. Also im Büro kiffen. Ich muss schon bekifft sein, wenn ich so abschweife. Laberflash. Egal.

Also ich kiffe, weil ich zu einer Pressevorführung von "American Ultra – Die kiffenden Killermaschinen" eingeladen wurde. Ich habe ein Taxi für 12 Uhr bestellt, die Vorführung ist allerdings um 12.30 Uhr und jetzt kriege ich Angst, dass ich zu spät sein könnte. Kiffer-Paranoia.

Ich ruf nochmal bei der Taxi-Zentrale an. Ich bin nervös, weil ich überhaupt keinen Bock habe, mit Menschen zu reden. Die Frau ist aber sehr nett und es geht alles recht schnell. Dann sagt sie tschüss und ich vergesse aufzulegen. Nach ein paar Minuten, merke ich dass ich nie aufgelegt habe, sondern nur flach ins Telefon atme. Cool. Gar nicht gruselig oder so.

11.43 Uhr: Ich sitze schon im Taxi. Ich will nämlich pünktlich sein. Ich kann nicht bekifft und unpünktlich da auftauchen. Schlimmste Kombi.

Mir ist schlecht. Wenigstens redet der Taxifahrer nicht. Super. Dann kann ich mich darauf konzentrieren nicht einzuschlafen oder zu kotzen. Oder beides. Meine größte Angst, ist ja dass ich gleich Smalltalk mit Menschen machen muss.

11.51 Uhr: Oh Gott, jetzt redet der Taxifahrer doch. Über seine Adoptivtochter in Thailand. Dass die Thais ja so warme Menschen seien, der ist ja oft drüben und dass in Deutschland ja alles kalt wäre. Ich hab so viele Fragen aber ich finde es gerade so stressig zu reden. Außerdem würde er mich sowieso nicht zu Wort kommen lassen. An der roten Ampel zeigt er mir Bilder von dem Mädchen. Als ich bezahle, sagt er zum Abschied: "Jetzt hab ich sie vollgequatscht." Yes, Captain obvious.

12:00 Uhr: Ich bin jetzt am Kino und einfach mal eine halbe Stunde zu früh. Das ist mir in meinem gesamten Leben noch nie passiert. Ich glaube, kiffen macht mich zu einem vernünftigen und besseren Menschen. Hätte ich auch nie gedacht, dass ich zu dieser Erkenntnis komme. Womit ich nicht gerechnet habe, ist, wie kalt es ist. Oder kommt das vom Kiffen? Jetzt muss ich auf Klo. Aber Hunger habe ich noch nicht.

12.20 Uhr: Weil ich ahne, dass ich aber bald Hunger bekomme, habe ich mich hinten in die Ecke gesetzt, damit ich in Ruhe essen kann. Als ich reinkam, habe ich erstmal was zu Trinken bestellt. Eistee. Und ich habe mir natürlich auch eine Stulle mitgebracht. Hinter mir an der Kasse stehen zwei Typen, die wie ein Kifferduo aus einem Sat-1 Film aussehen. Was denken sie wohl von mir?

12.35 Uhr: Der Film fängt an. Wahnsinnig stressiger Anfang für einen Kifferfilm. Ich raffe schon nach fünf Minuten nichts mehr. Was viel schlimmer ist: Ich finde meine Stulle nicht. Als ich sie endlich finde, muss ich gefühlte zwei Stunden lang an der Plastikverpackung rumrascheln, bis ich das Brot endlich in meinen Händen halte. Ich glaube, dass ich die Herzen der anwesenden Kollegen spätestens jetzt erobert habe.

Zurück zum Film: Die Hauptcharaktere wollen nach Hawaii, er will ihr einen Heiratsantrag machen. Auch antriebslose Kiffer haben Träume. Also Mike heisst der Typ (von Jesse Eisenberg gespielt) und Phoebe ist seine Freundin. Sie wird von Kristen Stewart gespielt. Genau, Twilight-Kristen. Sie ist neben Bill Pullmann und John Leguizamo der einzige Grund, sich diesen Film anzutun.

Achso, irgendwie schaffen die es nicht nach Hawaii, weil Mike eine Panikattacke hat. Auf'm Klo am Flughafen. Sie verpassen den Flug und fahren in ihrem Familienkombi zurück. So einen, den alle Künstlertypen in Weihnachtsfilmen mit Diane Keaton fahren. Mike und Phoebe wohnen in einem großen Haus außerhalb der Stadt und haben ein Auto. Oh, sie haben sogar zwei Autos. Wenn das so ist, möchte ich auch ein antriebsloser Kiffer sein.

12. 47 Uhr: Im Film reden sie jetzt über Autos und Bäume. Ich versteh nichts mehr. Ich habe so viele Fragen. Wer ist der Baum? Wer ist das Auto? Wo ist mein Eistee? Habe ich mir Duplo eingepackt? Warum muss ich schon wieder auf Toilette. ICH WAR DOCH GERADE ERST.

Jetzt macht Kristen oder Phoebe ihm eine Liebeserklärung: "Ich liebe dich, verfluchte Scheisse." Achso, der Film ist synchronisiert. Das habe ich vergessen zu erwähnen. Eingedeutsche Kifferslangsprache – meine persönliche Vorstellung der Hölle. Jetzt arbeitet Mike in so einem 24/7 Supermarkt und es taucht eine strenge CIA-Lady auf. Sie sieht aus wie Veronika Ferres. (Nachtrag: Dieses Gras muss echt krass gewesen sein, weil die beiden Frauen sich nicht mal annähernd ähnlich sehen, wie ich später festgestellt habe)

12.54 Uhr: Jetzt trifft Mike seinen Freund Rose (gespielt von John Leguizamo, den ich ja EXTREM HEISS finde.) am Parkplatz. Rose antwortet auf irgendwas: "Ich bin dein Nigga, Digga!" Wollen die mich verarschen? Natürlich sind die harmlosen antriebslosen Kiffer weiße junge Menschen. Der, der die Drogen vertickt, muss ein Latino sein. Ich wundere mich, dass es kein Schwarzer ist. Ganz wichtig: Mike sucht die ganze Zeit nach der idealen Gelegenheit, um endlich diesen Heiratsantrag zu machen.

13.03 Uhr: Ich muss aufs Klo und habe schon keinen Bock mehr. Als ich wiederkomme, hat Mike zwei Menschen umgebracht. Okay, warte mal. Wo ist denn die Polizei? Da sind doch Schüsse gefallen. Jetzt ruft er seine Freundin, Phoebe an. Die Freundin ist ja der Hammer. Sie hört ihm zu und stellt ein paar Fragen. Was man halt so macht, wenn Dein Freund Dich mitten in der Nacht anruft und sagt, er hätte zwei Typen umgelegt.

Wenn mich ein Typ anruft und sagt, er hätte zwei Typen umgebracht, lege ich auf, zerstöre meine SIM-Karte und fahre zum Flughafen.

Okay, jetzt sind sie im Knast. Voll der stressige Film. Jetzt wird Mike verhört. In so einem Raum, der exakt so aussieht, wie ich mir eine Küche in der Lindenstraße-Kulisse vorstelle. Ich muss langsam mal ein Duplo essen.

13. 17 Uhr: Leute, diese Kampfszenen sind so stressig. So viel Blut. Auf der Wache taucht eine Killerin auf und bringt alle Polizisten um. Als Mike und Phoebe abhauen wollen, ruft die Killerin: "Wartet!" Und SIE BLEIBEN STEHEN. Manche Filmcharaktere machen mich so wütend. Es ist offensichtlich, dass Du dumm bist oder sterben willst. Dann mach das doch und nerve mich nicht 134 Minuten lang mit Deinem zögerlichen Scheiß. Jetzt ist die Stadt abgeriegelt. Dieser Film geht noch keine Stunde und fühlt sich wie 4 Stunden an.

13: 29 Uhr: Ich komme von dem Tauchgang nach dem verlorenen Duplo in meiner Tasche zurück. (Meine Tasche ist so riesig! Ich hab bestimmt 20 Jahre nach dem Duplo gesucht.) Mike und Phoebe sind jetzt in dem Haus von seinem Freund Rose. Da sind zwei bullige schwarze Typen, die ihn beschützen. Schon wieder fällt das N-Wort. Hätte ich mir mal mehr Stullen mitgebracht.

Concorde Filmverleih GmbH

Jetzt sind sie in so einem Keller mit stressiger Musik und noch stressigerer Beleuchtung. Schwarzlicht und solche Scherze. Ich glaube die sind im Keller, weil Rose glaubt, sie hätten eine ansteckende Krankheit. Sicher bin ich mir aber nicht. Ich hab das nicht mitgekriegt. Das war während der großen Duplo-Expedition von 2015. Okay irgendwie hat Mike ein Gas eingeatmet und wenn er einschläft, stirbt er. Das gleiche könnte mir jetzt auch passieren.

13:38 Uhr: Ich frage mich, ob irgendwer im Saal auch die gleiche Idee hatte wie ich und vorher gekifft hat. Vor Filmbeginn habe ich einen Typen gesehen, der extrem ehrgeizig ein Brötchen gegessen hat.

13.43 Uhr: Ich bin ganz ehrlich: Ich verstehe nichts mehr von dem Film. Mir ist jetzt auch kalt. Okay, irgendwie ist Phoebe jetzt auch eine Agentin. Sie ist Führungsoffizier. Mike ist voll traurig und auch wütend. So wütend wie nur Kiffer es sein können. Also nicht wirklich wütend. Mir fällt ein, dass vorhin noch Topher Grace als fieser CIA-Typ eingeführt wurde. Sein Charakter ist aber so flach, dass ich komplett vergessen habe, ihn zu erwähnen. Seinen Namen habe ich auch nicht behalten. Ich glaube, Filmbesprechungen kann ich richtig gut.

13.52 Uhr: Wie lange geht dieser Film noch? Jetzt wurde eine Drohne verschickt. Von dem einen, der Buster bei Arrested Development gespielt hat. Und auch bei Veep mitspielt. Ach. Ich vermisse Veep. Eine tolle Serie.

Irgendwie ist Mike wieder in seinem Haus. Er hat nämlich aufgegeben, weil Kristen von dem Arschloch CIA-Typ entführt wurde. Mike sagt, wenn er sowieso sterben müsse, dann lieber stoned und in seinem Bett sterben. Hallelujah! Der erste vernünftige Satz in diesem Film.

Jetzt wird das Haus krass beschossen. Okay, die Special Effects sind schon heftig. Ein Typ schießt und Mike schmeißt ein Pfanne hoch und schießt irgendwie gleichzeitig, so dass die Kugel abprallt und den Typen trifft. Ich kann nicht mal Pfannkuchen in der Pfanne wenden, ohne mir Brandwunden zweiten Grades zuzufügen. Deswegen bin ich aber auch kein Agent oder eine kiffende Killermaschine.

Dieser Film ist der stressigste Film AUF DER GANZEN WELT. Langsam hab ich keinen Bock mehr. Außerdem sehen viele Charaktere so zombiehaft aus und ich grusele mich leicht. Mehr muss ich dazu nicht sagen.

Fucking finally taucht Bill Pullmann auf. Yaaasss! Ich LIEBE ihn, aber ich weiss nicht warum. Bill spielt den Endgegner Krueger und er ist irgendwie sauer. Dabei kneift er seine Lippen zusammen. Bill hat eine echt dünne Oberlippe. Darauf stehe ich eigentlich nicht. Aber für Bill mache ich eine Ausnahme. Jetzt habe ich wieder die Hälfte nicht mitgekriegt.

Okay, also Kristen redet wieder über Bäume und Autos. Aber am Telefon mit Mike. Sie ist ja immer noch entführt. Sie redet auch über Feuerwerk und Panzer. Feuerwerk und Panzer – das könnte auch der Name einer Hipster-Band aus Oakland sein, die Deutschland verehrt aber totally not in the Nazi-sense, you guys.

Ich muss auf Klo. Ugh. Okay Freunde, Mike ist soeben mit einem Panzer in den Supermarkt gerast. In der letzten Minute (HOFFENTLICH) wird es spannend.

14.00 Uhr: Kristen ist jetzt mit dem Arschloch-CIA-Typen und etwa einer Million Zombie-Soldaten auch im Supermarkt. Mike macht eine Ansage über die Supermarkt-Lautsprecher. Irgendwie kommen sie da raus, weil Mike halt der Mega-Kämpfer ist. Als sie draußen sind, stehen vor dem Supermarkt viele Polizisten.

Jetzt macht er ihr einen Heiratsantrag. Vor dem zertrümmerten Supermarkt. Obwohl sie auch Agentin ist oder Führungsoffizier oder was auch immer. Und ihr Leben deutlich mehr im Griff hat, träumt sie wie jede Frau natürlich, von nichts anderem, außer von einem männlichen Helden gerettet zu werden. Und von einem Heiratsantrag. Wie alle Frauen. Kotz. Kotz. Kotz.

Bevor Mike und Phoebe sich umarmen oder küssen, werden sie mittels Taser außer Gefecht gesetzt.Der Rest der Schauspieler wird verhaftet oder umgebracht. Bill Pullmann bringt nämlich den Arschloch-CIA-Typen um. Ich habe schon wieder vergessen warum. Die CIA-Frau, die aussieht wie Veronica Ferres (Nachtrag: Sie sehen sich wie gesagt kein bisschen ähnlich. Dieses Gras war einfach krass.) überlebt und ist jetzt Chefin. Sie erzählt was von einem 400 Millionen Dollar-Welpen.

14.05 Uhr: Du kannst mir nicht erzählen, dass wer auch immer für die Analogien in diesem Film zuständig war, nicht auch gekifft hat. Irgendwie sind Mike und Phoebe jetzt sechs Monate später in Manila (?). Sie sind keine antriebslosen Kiffer mehr, sondern echte Agenten. Ich wusste ja gar nicht, dass Mike noch beschissener aussehen kann als mit dieser verfilzten 13-Euro Perrücke, die er als stereotypischer Kiffer tragen musste.

Jetzt hat er kurze zurückgegelte Haare und keinen Hals mehr. Ohne Scheiß. Schaut genau hin. Er hat keinen Hals mehr. Sein Kopf liegt im Prinzip auf seinen Schultern. Ohne Übergang. Plötzlich wird er von Asiaten verhört und die lachen, weil er keine Waffen hat. Er schmunzelt und schaut auf die Pfannen und Messer in der Küche.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so genau, wie dieser Film zu Ende gegangen ist. Ich musste so dringend auf Klo, dass ich einfach komplett ausgesetzt habe. Über den Abspann kann ich aber sagen, dass er im Comic-Stil gehalten war und noch 160 Prozent stressiger war als der gesamte Film. Als ich aus dem Saal komme, werde ich gefragt, wie ich den Film fand. Meine Antwort: Abenteuerlich. Schnell raus hier.

Fazit: American Ultra - die kiffenden Killermaschinen ist der stressigste Kifferfilm der Welt. Auf gar keinen Fall bekifft anschauen!

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