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20 total ehrliche Geständnisse von Therapeuten, die mit Kindern arbeiten

Kinder sollten sich nicht um Kriege und Gewalt in der Welt sorgen, aber sie tun es.

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Für diesen Artikel hat BuzzFeed Health mit Dr. Yamalis Diaz, Klinik-Assistenzprofessor für Kinder- und Jugenpsychiatrie am NYU Child Study Center und Dr Jarrod Leffler, Assistenzprofessor der Psychologie am Mayo Clinic College für Medizin und Leiter des Integrierten Mood-Programms für Kinder und Jugendliche der Mayo Clinic, gesprochen.

1. Kinder erleben genau wie Erwachsene Hochs und Tiefs, aber wenn diese Tiefs anfangen, Probleme im Alltag zu verursachen, ist es an der Zeit, sich an Profis wie uns zu wenden.

Aufmerksamkeitsprobleme, Schwierigkeiten Ordnung zu halten, Sorgen und Probleme beim Einschlafen. Ob Kind oder Erwachsener, jeder hat diese Probleme von Zeit zu Zeit. Aber bei einer psychischen Erkrankung sind die Symptome oft bedenklicher. Wenn du also versuchst, zu entscheiden, ob professionelle Hilfe nötig ist, denke darüber nach, ob diese Symptome bei deinem Kind 1) häufiger auftreten als in diesem Alter üblich, 2) in stärkerer Ausprägung auftreten als in diesem Alter üblich und 3) ob sie es deinem Kind erschweren, im Alltag zu funktionieren. Wenn alle drei Punkte zusammenkommen, könnte es an der Zeit sein, mit jemandem darüber zu reden, der Hilfe bieten kann.

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2. Bereits zweijährige Kinder können Anzeichen von Angst oder Verhaltensstörungen aufweisen.

Die Anzeichen können verschieden sein, aber es gibt Kinder, die extreme Wutanfälle oder Aggressionen zeigen, Kinder, die sozialen Situationen vollständig aus dem Weg gehen oder solche, die Ängste im Bezug auf Dinge entwickeln, um die sich die meisten Kinder ihres Alters kaum sorgen. Wir haben tatsächlich Siebenjährige erlebt, die wie besessen vor Sorge über den Afghanistankrieg oder die Gewalt in Charlottesville, Virginia, waren.

Und was Entwicklungsverzögerungen, wie sie etwa beim Autismus vorkommen, angeht, können diese noch früher auftreten, bereits bei Babys von sechs Monaten.

3. Weil es schwer ist, direkt zu erkennen, an welcher Störung genau ein Kind leidet, grenzen wir die Symptome zunächst auf eine von zwei Hauptkategorien ein.

Wir stellen für gewöhnlich diese Frage: Ist es eine internalisierende oder eine externalisierende Störung? Internalisierende Störungen sind alle, die nur die Person, die sie betreffen, fühlen kann, wie etwa bipolare Störungen, Depressionen, Angst und Anpassungsschwierigkeiten. Zu externalisierenden Störungen zählen ADHS, oppositionelles Trotzverhalten und Störungen des Sozialverhaltens. Hier sind die Symptome für die Menschen im Leben der betroffenen Person sichtbar.

Da es so viele psychische Erkrankungen – und Varianten davon – gibt, erhalten wir dadurch, dass wir die Symptome einer der beiden Kategorien zuordnen, eine generelle Richtung, in die wir uns bewegen können. Davon ausgehend ist es uns möglich, einen auf Befunden basierten Behandlungsplan zu erstellen.

4. Wir wünschten, es gäbe eine universelle Methode zur Behandlung von Kindern, aber die gibt es nicht.

So viele Eltern kommen zu uns und wollen konkrete Antworten darauf, womit sie und ihre Kinder es zu tun haben und wie sie sehr spezielle Probleme, wie beispielsweise Wutanfälle, in Angriff nehmen können, aber so einfach ist es leider nicht.

Einige Kinder brauchen vielleicht eine bestimmte Art von Therapie — ambulante oder stationäre Therapie; Familientherapie, nicht nur mit Eltern und ihrem Kind, sondern auch Geschwister; oder kognitive Verhaltenstherapie — während andere vielleicht Medikamente plus Therapie brauchen. Andere Kinder, wie zum Beispiel jene mit Ess- oder Gemütsstörungen, brauchen vielleicht ein spezialisiertes Programm, bei dem nur das Kind und seine Eltern teilnehmen. Keine zwei Patienten werden genau dieselbe Behandlung haben und das liegt daran, dass jeder Behandlungsplan dazu gedacht ist, deinem Kind die Fähigkeiten beizubringen, die sie brauchen, um sich zu voll funktionsfähigen Erwachsenen zu entwickeln.

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5. Wenn du glaubst, dass dein Kind Anzeichen einer psychischen Erkrankung zeigt, sprich mit den anderen Erwachsenen im Leben deines Kindes.

Normalerweise stellen wir basierend auf der gesamten Geschichte deines Kindes von der Geburt an, inklusive seiner Familie, Schule und Sozialgeschichte, eine Diagnose. Wenn du also glaubst, dass dein Kind Anzeichen zeigt, rede mit anderen Eltern, um eine Vorstellung davon zu bekommen, wie sich dein Kind möglicherweise in Bezug auf seine Entwicklung vergleichen lässt. Sprich mit seinen Lehrern/Erziehern, die jeden Tag viel Zeit mit ihm verbringen. Sprich mit dem Kinderarzt, der die Krankengeschichte deines Kindes kennt (und dich an einen psychologischen Experten überweisen kann). Dies sind zusammengefasst alles Hinweise, die dir helfen herauszufinden, was dein Kind durchmacht und wie du helfen kannst.

6. Je mehr Eltern und Erziehungsberechtigte ihre Kinder zu Hause unterstützen können, desto besser.

Idealerweise sollte jeder im Leben des Kindes — von Geschwistern zu Lehrern zu Babysittern und Trainern — damit einverstanden sein, dem Kind mit einer psychischen Erkrankung zum Erfolg verhelfen. Doch Eltern/Erziehungsberechtigte sind ihre besten Verbündeten bei der Aufgabe mit den Schwierigkeiten einer psychischen Erkrankung zu leben.

7. Und übrigens: Wenn das überwältigend klingt, ist es unser Job Eltern zu helfen, zu lernen, wie das geht.

Kinder leben nicht in Isolation, deshalb arbeiten wir auch mit ihren Eltern/Erziehungsberechtigten. Das bedeutet die besten Wege für sie zu finden, damit sie ihrem Kind Partner sein können. So wie wir die Kinder behandeln, stellen wir auch Ressourcen und Unterstützung für Eltern bereit.

8. Wenn wir Kindern zwei Fähigkeiten zum sofort Lernen empfehlen könnten, wären es Kommunikation und Problemlösung.

Wenn du frühzeitig das Fundament für Kommunikation legst — genaues Zuhören formen und versuchen zu verstehen, was deine Kinder motiviert — öffnest du ihnen die Tür, unbefangen mit dir sprechen zu können; unabhängig vom Thema oder davon, wer das Gespräch beginnt. Deshalb ist es wichtig ihnen zuzuhören, statt sie anzusprechen.

Gleichermaßen nehmen viele Eltern an, dass es ihre Aufgabe ist, Lösungen für alle Probleme ihres Kindes zu finden. Doch unserer Meinung nach ist das nicht die beste Ausgangslage. Irgendwann in ihren Teenagerjahren müssen sie anfangen zu lernen, ihre Probleme selbst zu lösen. Für Eltern bedeutet das, Kinder zu bitten, sich Lösungen zu ihren Herausforderungen und Hürden (im angemessenen Rahmen!) einfallen zu lassen und sie dann Dinge alleine ausprobieren lassen. Manchmal funktioniert es und manchmal geht es vielleicht daneben, aber das ist okay: Das Ziel ist es ihnen Widerstandskraft und nicht Abhängigkeit beizubringen.

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9. Die andere Sache, um die wir Eltern bitten müssen: Bringt euch in ihren Therapieprozess ein.

Das bedeutet Fragen über buchstäblich alles zu stellen: Welche Fähigkeiten sollte dein Kind lernen? Woran solltest du selbst mit ihm zu Hause arbeiten? Du solltest eine Vorstellung davon haben wollen, wie die Prognose ausfällt und wenn du nach einiger Zeit nicht viel Verbesserung siehst, ein Gespräch mit dem Therapeuten führen — du bemerkst vielleicht, oder er erzählt es dir sogar, dass es Zeit ist, einen Spezialisten aufzusuchen oder eine zweite Meinung einzuholen.

10. Normalerweise erwarten wir von Kindern (besonders von jüngeren) nicht, dass sie Profis im Artikulieren ihrer emotionalen Landschaft sind.

Entwicklungsmäßig sind junge Kinder noch nicht an dem Punkt ~angekommen~, an dem sie imstande sind, abstrakte Konzepte zu begreifen oder zu besprechen. Sie haben auch ein begrenztes Verständnis und Bewusstsein darüber, wer sie sind und was geschieht. Wenn sie also zum Beispiel immer besorgt sind und du sie bittest, über ihre negativen Gedanken nachzudenken und zu diesen Gedanken zu sprechen, wären sie vermutlich nicht imstande, es in Worte zu fassen.

11. Aber das ist okay, weil wir ziemlich gut darin sind, trotzdem alles herauszubekommen.

Es gibt keine spezielle Methode, die wir hier anwenden würden, weil es auf das Alter und die Behandlung des Kindes ankommt. Doch um eine enge Verbindung mit dem Kind zu schaffen und es zu öffnen, würden wir versuchen, Spiele zu spielen oder zu malen. An und für sich sind das Therapien, aber sie helfen auch dabei, die Kinder zu beruhigen — dem Kind fällt es vielleicht leichter, über seine Gefühle zu sprechen, während es spielt — und das kann ihnen dabei helfen, am therapeutischen Prozess teilzunehmen. Genauso können diese Techniken bestimmte Verhaltensmuster aufdecken (zum Beispiel wenn das Kind frustriert wird). Auch das kann eine Konversation anregen.

12. Es besteht immer die Chance, dass sich die Diagnose eines Kindes ändern könnte.

Die Behandlung von psychischen Erkrankungen bedeutet das Behandeln der Symptome der Störung, wenn sie auftreten, damit sie im Augenblick weniger ein Hindernis im Leben des Kindes sind. Aber Dinge ändern sich — Kinder reifen, ihre Gehirne entwickeln sich und sie sind mehr und mehr Dingen auf der Welt ausgesetzt. All diese Dinge können sich auf ihre Symptome, wie sie imstande sind, darüber zu sprechen und schließlich auf ihre Diagnose auswirken. Es ist außerdem erwähnenswert, dass sich nicht alle psychischen Erkrankungen mit derselben Geschwindigkeit entwickeln — manche köcheln vielleicht eher vor sich hin, mit Symptomen, die über ein paar Monate oder Jahre hinweg auftauchen, wohingegen sich die gesamte Bandbreite anderer Erkrankungen viel schneller sehen lässt.

Wenn das passiert, ist es nicht unbedingt die Schuld von demjenigen, der die ursprüngliche Diagnose gestellt hat — er hat mit den Symptomen gearbeitet, die zu der Zeit präsent waren ... Leider ist das eines der schwierigeren Dinge, mit denen wir umgehen müssen, denn es kann für Eltern sehr frustrierend sein.

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13. Wir alle machen zuerst eine ähnliche Ausbildung durch, aber schließlich wählt jeder von uns einen Pfad aus, auf den er sich spezialisiert.

Beschreibe unsere Ausbildung mit einem Wort? LANGWIERIG. Es kann etwa sechs bis sieben Jahre an Ausbildung dauern, um ein klinischer Psychologe zu werden und das kann klinische Praktika oder Postgraduiertenstipendien enthalten. Diese ganze umfangreiche Ausbildung bereitet uns mit den Fähigkeiten vor, Therapie, psychologische Untersuchung und Forschung anzubieten. Wir kommen alle mit dem Wissen dieser Dinge aus der Ausbildung, aber weil es da draußen so viele psychische Erkrankungen gibt, finden wir in der Regel etwas, auf das wir uns spezialisieren, ob es Gemütsstörungen und schwere Pathologien oder ADHS und Verhaltensprobleme sind.

14. Nein, wir werden keine Medikamente verschreiben.

Eines der größten Missverständnisse über Experten für psychische Erkrankungen im Allgemeinen ist, dass wir für alle Krankheiten Medikamente verschreiben. Manchmal hindert dies Menschen daran, einen Experten aufzusuchen und andere Male ist es das Erste, wonach Menschen fragen. Doch dürfen psychologische Psychotherapeuten gar keine Medikamente verschreiben (wir sind keine Ärzte!) und selbst wenn, wären sie nicht unsere erste Behandlungsoption.

Warum? Weil wir wissen, dass es allerhand Therapien gibt, die ohne Medikamente funktionieren können.

15. Beständigkeit ist besonders wichtig, wenn es darum geht, dass die Therapie so effektiv wie möglich ist.

Wenn es darum geht, das meiste aus ambulanter Therapie herauszuholen, ist es äußerst wichtig, dass die Besuche des Kindes konsistent sind — du kannst nicht einfach vorbeikommen, wann immer es ein Problem gibt, vor allem wenn die Probleme deines Kindes besonders gravierend sind.

Oftmals werden feste Therapiesitzungen die einzige Sache sein, die ein Kind braucht, um auf der Spur zu bleiben. Ohne sie besteht das Potenzial, dass Konflikte zwischen Familienmitgliedern entstehen oder dass das Kind eine totale psychische Krise hat, bei der man es nur in der Notaufnahme oder einer Klinik stabilisieren kann. Und wir wollen definitiv nicht, dass das passiert.

16. Es stimmt: Teenager können launisch, reizbar und streitsüchtig werden. Aber wenn diese Verhaltensweisen extrem oder störend werden, kann es ein Anzeichen eines größeren Problems sein.

Alle Kinder durchlaufen die Pubertät. Eine Änderung ihres Verhaltens ist also vorprogrammiert, egal ob es sich hierbei nun um den Kampf um Unabhängigkeit oder sonst etwas handelt. Natürlich ist es schwer, zu sagen, was "typisches" Teenager-Verhalten ist und was darüber hinausgeht, aber vertraue deinem Bauchgefühl und halte Ausschau nach üblichen Warnzeichen. Und vergiss nicht, dass du jederzeit versuchen kannst, mit deinem Kind zu reden, oder dich bezüglich Therapie-Optionen schlau machen kannst.

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17. Viele Teenager benutzen soziale Medien als emotionales Ventil und wir wünschen uns, dass Eltern sich viel bewusster darüber sind.

In der heutigen Welt ist es für Teenager sehr üblich, soziale Medien und das Internet als ein Ventil für ihre emotionalen Probleme zu benutzen — ob sie nur ihre Traurigkeit ausdrücken oder sogar über Suizid sprechen. Vermutlich ist es leichter, Dinge zu sagen als sie vor einem Gegenüber auszusprechen. Aber Eltern werden diese Dinge nicht mitbekommen, wenn sie nicht die sozialen Medien ihres Kindes überwachen. Stattdessen wird es vermutlich einer der Freunde des Kindes sein, der das Problem dem Elternteil oder einem Lehrer berichtet.

Wenn es um Privatsphäre geht, sind die Werte jeder Familie unterschiedlich. Deshalb müssen Eltern herausfinden, was sich richtig anfühlt, wenn es darum geht, den Überblick darüber zu behalten, was ihre Kinder online posten. Nachverfolgen, wie sie sich online selbst ausdrücken, kann dir helfen ihr Wohlbefinden im Auge zu behalten. Wenn eine ihrer Aussagen einen Alarm auslöst, kannst du sie darauf ansprechen.

18. Therapie funktioniert!

Durch die Forschung wissen wir, dass es EINE MENGE effektiver Behandlungen gibt. Natürlich gibt es ein paar Faktoren, die das beeinflussen, zum Beispiel die Art der Therapie, die Fähigkeiten des Therapeuten, die Diagnose des Kindes und mit welcher Regelmäßigkeit die Therapie stattfindet. Der springende Punkt ist jedoch: Die Wahrscheinlichkeit ist doch, dass das Kind und seine Familie profitieren und Fortschritte sehen werden, wenn es zur Therapie geht.

19. Es gibt definitiv Zeiten, in denen der Job uns sehr schwer fällt.

Wir sind auch Menschen mit eigenen Gefühlen. Deshalb kann es schwierig sein Kinder und Familien zu sehen, die mit so viel Not umgehen. Am schwersten für uns ist es, Patienten zu sehen, die wegen ihrer psychischen Erkrankungen in stationäre Einrichtungen eingeliefert werden oder mit einer psychischen Krankheit und zusätzlich einer weiteren ernsthaften medizinischen Erkrankung wie Krebs umgehen. Es ist schwierig Patienten zu sehen, die mit einem langwierigen Krankenhausaufenthalt, unbekanntem Entwicklungsverlauf oder schmerzhafter Prozedur umgehen, denn es ist beinahe logisch, dass sie Verhaltensprobleme haben oder ängstlich oder niedergeschlagen sind.

20. Aber am Ende des Tages geht es nur darum, dieser Generation von Kindern zu helfen, sich besser als die letzte zu fühlen.

Ungeachtet unserer eigenen Gefühle ist es unsere Aufgabe, den Patienten dabei zu helfen, ihre Gefühle zu verstehen und zu verarbeiten, sowie sich von ungesunden Mustern zu lösen. Wir tun dies, weil es uns wirklich am Herzen liegt, Familien und ihren Kindern dabei zu helfen, besser zu funktionieren — und auf lange Sicht auch zukünftigen Generationen, die diese Fähigkeiten lernen werden. Wenn wir das tun, können wir daran arbeiten, Stigmata im Bereich psychischer Gesundheit abzuschaffen, und beginnen, Leute mit psychischen Krankheiten so zu lieben, wie sie sind, anstatt uns auf ihre Krankheit oder ihre Symptome zu konzentrieren.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.

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