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Die BVG, der RBB und das gemeinsame Rassismus-Problem

Die Berliner Verkehrsbetriebe und der RBB sehen sich wegen der Promi-Ansagen in der U-Bahn mit einem Rassismusvorwurf konfrontiert. Denn die Station "Mohrenstraße" sagt ausgerechnet Dieter Hallervorden an, der bereits 2012 eine Blackface-Debatte in Berlin auslöste.

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Im Januar haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eine Kampagne gestartet, um ihr Image aufzupolieren. Dazu gehörte, dass Prominente auf der U-Bahnlinie U2 Haltestellen ansagen. Für diese Aktion war Radio Berlin vom RBB Medienpartner.

Unter diesen Promis ist auch Dieter Hallervorden. Sein Schlosspark-Theater führte 2012 das Stück “Ich bin nicht Rappaport” auf und löste damit eine heftige Debatte über Blackfacing aus.

#Blackfacing ist der Anglizismus des Jahres und Hallervorden spricht die U2-Ansage der “Mohrenstraße”.

Der weiße Schauspieler Joachim Bliese soll einen Afro-Amerikaner spielen und ist dafür auf dem Plakat mit einem schwarzgeschminkten Gesicht zu sehen. Blackfacing ist eine rassistische Theatertradition, die ihren Ursprung in den “Minstrel Shows” hat, und Ende des 19. Jahrhunderts in den Vereinigten Staaten entstanden ist.

Ausgerechnet Hallervorden sagt die U-Bahnstation "Mohrenstraße" an.

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Die “Mohrenstraße” ist seit Jahren ein viel diskutiertes Thema in Berlin. Viele verschiedene Organisationen wie beispielsweise die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) engagieren sich seit über zehn Jahren für die Umbenennung der Straße.

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ISD-Vorstandsmitglied Tahir Bella sagte zu BuzzFeed:

"Dass ausgerechnet Dieter Hallervorden die Station "Mohrenstraße" im Rahmen der BVG Promi-Ansagen-Kampagne ansagt, hat bei uns großes Kopfschütteln ausgelöst und ist eine Provokation für Schwarze Menschen, die seit mehr als zehn Jahren eine Umbenennung der "Mohrenstraße" fordern. Gerade in Verbindung mit der Schlosspark-Affäre im Jahr 2012 ist die Wahl wirklich schlimm. Ich glaube ihm, wenn er sagt, dass ihm die Station zugeteilt wurde. Allerdings wäre es für ihn eine gute Gelegenheit gewesen, den Vorschlag abzulehnen und damit Stellung zu beziehen und anzuerkennen, dass es offenkundig Menschen gibt, die den Straßennamen als beleidigend und rassistisch empfinden. Hallervordens Reaktion darauf zeigt, dass er offensichtlich die Kritik zum wiederholten Mal nicht richtig verstanden hat."

Der Piraten-Abgeordnete Andreas Baum hat nach Beginn der BVG-Kampagne eine Anfrage an den Senat von Berlin gestellt. Er wollte herausfinden, wie viel diese Kampagne gekostet hat und warum ausgerechnet Hallervorden die Station Mohrenstraße ansagt.

#weilwirdichlieben gaben wir für #promiansagen 60.000 € aus #u2 http://t.co/NztnBYKkhf

Die BVG weist jeden Vorwurf der Provokation von sich und sagt, dass der RBB für die Zuteilung der Prominenten zuständig war. Ein Sprecher des RBB sagte BuzzFeed:

"Den meisten Promis war es egal, welche Station sie ansagen und Dieter Hallervorden hatte nichts dagegen, die Station Mohrenstraße anzusagen. Alle Promis hatten die Möglichkeit, die vorgeschlagene Station abzulehnen. Niemand bei Radio Berlin 88.8 hatte die Absicht zu provozieren. Die Wahl war ein bisschen unglücklich – keine Frage. Es kann sein, dass es den Verantwortlichen nicht wichtig genug war. Man hätte genauer darüber nachdenken können, aber den Schlosspark-Theater-Blackfacing-Skandal hatte keiner auf dem Schirm."

Die Promi-Ansagen wurden mittlerweile durch Ansagen von Fahrgästen ersetzt. Allerdings nicht auf Druck der Öffentlichkeit, sondern weil es so geplant war.

Eine U2 ohne Promi-Ansagen erwischt. Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen und haben geweint vor Erleichterung. #weilwirdichlieben

Der BVG missglückte nicht nur die Kampagne mit den Promi-Ansagen, sondern auch der Start ihrer Social-Media Kampagne #weilwirdichlieben.

Wenn statt einem fälligen Twitter-Service-Account lieber sinnlos viel Energie in eine dumme Werbekampagne gesteckt wird. #weilwirdichlieben

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