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10 Dinge, die du lernst, wenn du im Rollstuhl auf Rucksacktour gehst

Eine betrunkene Entscheidung und ein halbes Jahr Planung später machte ich mich mit meiner Freundin Steph auf den Trip meines Lebens.

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Hi, Ich bin Amy.

Ich bin 28 und habe eine Bindegewebserkrankung, die meine Gelenke schwächt, sodass sie schnell auskugeln können. Ich kann zwar kurze Strecken gehen, aber ohne meinen Rollstuhl bin ich weitestgehend ans Haus gefesselt. Jeden Tag muss ich meine Gelenke schützen, mit chronischen Schmerzen und Müdigkeit leben, sowie mit dem Frust klarkommen, alle Aufgaben auf eine mir mögliche Art erledigen zu müssen.

Trotz meiner Einschränkungen will ich mich von meiner Behinderung nicht davon abhalten lassen, die Welt zu sehen. Drei Monate lang war ich in Laos, Vietnam, Kambodscha, Thailand und Japan mit dem Rucksack unterwegs. Dies sind die Dinge, die ich auf Reisen im Rollstuhl gelernt habe.

1. Du kannst einen Rollstuhl überallhin mitnehmen ... auch wenn du nicht immer in ihm sitzt.

Ich habe meinen Rollstuhl an Orte mitgenommen, von denen ich nie dachte, dass es möglich wäre. Ich bin sogar in einen Fluss gerollt, um einen Elefanten mit einem kleinen Eimer zu waschen. Um meinen Rollstuhl unterzubringen, musste ich mich oft von ihm trennen. Ich musste Po-Rutschen in meine Liste der bevorzugten Fortbewegungsmethoden aufnehmen. Dadurch, dass ich meinen Rollstuhl mit einem Abschleppseil an Fahrzeugen befestigt habe, konnte ich mit Booten, Autorikschas und Motorrädern reisen. Darum hatte ich die meiste Zeit während meiner Reise braune Flecken auf dem Hintern. Außerdem wurde mir schnell klar, wie viel die von mir gekauften Kleider offenbaren.

2. Es wird schnell persönlich.

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Es gibt nichts, was dich deiner mitreisenden Freundin näher bringt als dein Rollstuhl, der auf dem Dach des Mekong-Boots festgeschnallt ist, mit dem du zwei Tage unterwegs bist. Denn deine schwachen Beine haben schon auf festem Boden wenig Standfestigkeit und deine Regel ist besonders stark. Hinzu kommen eine Menstruationstasse, eine Hocktoilette und kein fließendes Wasser ...

3. Vergiss niemals deine Pinkelhilfe.

Die Urinella ist für mich die einzige Möglichkeit ohne fremde Hilfe eine Hocktoilette zu benutzen. Leider habe ich sie einmal beim Ausgehen vergessen. Das hat dann dazu geführt, dass meine Freundin Steph rückwärts über der Toilette hockte, mich über die Öffnung hielt und dabei versuchte, mir meine Schultern nicht auszurenken. Danach verkündete sie unseren neuen Freunden lautstark, dass ich auf ihre Schuhe gepinkelt habe, woraufhin ihr gesagt wurde, dass sie doch Flip Flops trägt.

4. Behindertengerechte Verkehrsmittel sind ein unbekanntes Konzept – außer in Japan.

Eine der verrücktesten Fahrten, die wir erlebt haben, war die in einem überteuerten Minibus. Der Fahrer darauf bestand, dass Steph auf dem Gestell meines Rollstuhls sitzt, der im Gang zwischen den Sitzreihen stand. Die Radachse hing auf einem Sitz, auf dem ein anderer Fahrgast eingeklemmt saß. Es wurde noch schlimmer, als wir für eine Pinkelpause anhielten und der Fahrer noch einen weiteren Fahrgast mitnahm! Der Rollstuhl lässt sich nicht zusammenklappen, dadurch sind die meisten Transportmittel für mich eng und unbequem. Wir waren erstaunt, dass in Japan jedes einzelne Transportmittel für unabhängige Rollstuhlfahrer zugänglich ist, und das supereffiziente Bahnhofs- oder Buspersonal außerdem bei der Rampe Hilfestellung leistet. Ich musste nie länger als fünf Minuten warten, der zuständige Mitarbeiter stand am anderen Ende immer für mich bereit. Sie haben es sogar geschafft, eine Rampe an der alten Bergbahn mit fünf Stufen am Eingang anzubringen.

5. Wenn du fragst, ob etwas behindertengerecht ist, bekommst du als Antwort immer ein Ja.

Wenn du dann dort ankommst und feststellst, dass du am Boden einer Treppe gestrandet bist, weißt du dass du angelogen wurdest ... mal wieder.

Amy Oulton

Unterwegs auf einer Landstraße in Chiang Mai in Thailand. Ich hatte den Eindruck, dass der Zustand der Landstraßen oft besser für meinen Rollstuhl war als Straßenpflaster.

6. Du fühlst dich nicht immer so inspiriert wie andere denken.

Der Reiz des Neuen verschwindet irgendwann und du musst dich der Tatsache stellen, dass alle psychischen Probleme, die du vorher gehabt hast, mit dir mitgereist sind. Dein Netzwerk an Bezugspersonen ist jedoch zu Hause geblieben. Freunde und Fremde haben mir immer wieder versichert, wie toll sie es finden, dass ich mein Vorhaben umsetze. Doch hatte ich das Gefühl, einen Großteil meines Vertrauens in meine eigene Unabhängigkeit verloren zu haben. Ich kam mir vor wie eine Hochstaplerin. Alles war so schwer zugänglich, dass ich akzeptieren musste, mehr Hilfe als üblich zu brauchen. Ich musste umhergeschoben werden und war bei allem von der Dusche bis zum Bus auf Hilfe angewiesen. Zum Teil fühlte ich mich so, als säße ich in der Falle und sei vollkommen abhängig von Steph. Das hat Ängste und Depressionen ausgelöst. Manchmal fiel es mir schwerer, mit meinen psychischen Problemen klarzukommen als mit den Anforderungen meiner körperlichen Erkrankung. Das lag zum Teil daran, dass es komplizierter ist, jemandem bei psychischen Problemen zu helfen, als ihm einfach ein Schmerzmittel zu besorgen. Außerdem fühlte ich mich von meinen Freunden daheim abgeschnitten, die wiederum nur mein „inspirierendes“ Ich über die soziale Medien mitbekamen.

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7. Vollgepackt siehst du wie ein Cowboy aus.

Wenn Steph mich geschoben hat, musste ich den ganzen Krempel nehmen: zwei große Rucksäcke, zwei kleine Rucksäcke und eine Off-Road-Erweiterung für meinen Rollstuhl. So bepackt war ich weniger manövrierfähig als ein Einkaufstasche auf zwei Rädern. Hinzu kamen 40°C Hitze und fertig ist das Rezept für puren Stress.

8. Deinen Rollstuhl in einem Schuppen zurückzulassen und in einem Gummireifen einen Fluss hinabzutreiben, ist keine gute Idee.

Ich habe auf meiner Reise ein paar Dummheiten gemacht. Doch meinen Rollstuhl gegen einen aufgeblasenen Reifenschlauch einzutauschen, um Bars am Ufer des schnell fließenden Nam Song River zu besuchen, war so ziemlich das Dümmste. Nachdem wir die letzte Bar vor fast allen anderen verlassen hatten, um den Sonnenuntergang nicht zu verpassen, fanden wir uns plötzlich alleine auf einem sehr dunklen, sehr langen Flussabschnitt wieder. Wir hatten echt Angst, nicht mehr anhalten zu können. Nach rund 40 Minuten Panik, verzweifelten Versuchen, ans Ufer zu paddeln und Hilferufen in Richtung ein paar weit entfernter Fackeln, sahen wir endlich die Lichter der letzten Bar. Die Erleichterung wich schnell der brennenden Frage, wie ich zu meinem verlassenen Rollstuhl zurückkommen würde.

9. In der Reise-Community gibt es einen starken Gemeinschaftssinn.

Die Leute, denen wir auf unserer Reise begegnet sind, haben mich nicht mit dem Unbehagen behandelt, das ich von manchen Menschen zu Hause kenne. Unsere neue Freundin Tam zum Beispiel hat nur wenige Stunden, nachdem wir uns auf dem Mekong-Boot getroffen hatten, versucht, eine Zigarette durch meine gelähmten Zehen zu rauchen. Mehrere Fremde haben mich auch von dem treibenden Reifen das steile Flussufer hinaufgezogen, um Bars zu besuchen. Und Agustin, der starke Argentinier, hat mich huckepack acht Treppen mit steilen, schiefen Stufen hinaufgetragen.

10. Du tust und siehst Dinge, die du in einer Million Jahren nicht für möglich gehalten hättest.

Im Verlauf von drei Monaten war ich Tauchen, habe einen Motorroller mit Seitenwagen gemietet und gefahren (wegen der Stabilität) und bin von einem Moped ohne Seitenwagen (keine Stabilität) gefallen. Ich habe mir ein Einzelbett von 1,70 m Länge in einem Nachtbus durch Vietnam geteilt, bin neben seltenen Delfinen Kajak gefahren, unter einem Wasserfall geschwommen und in ein Fass Kräuterwasser auf einem Berg eingetaucht. Ich habe mehr Tempel gesehen, als ich zählen kann. Manchmal kann ich immer noch nicht glauben, was ich mit der Hilfe einer fantastischen Freundin und einer entschlossenen Haltung alles erreicht habe.


Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch.


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