Frage der Woche: Wie bekomme ich den *guten* Sex von damals wieder zurück?
Mein Partner und ich sind seit etwa fünfeinhalb Jahren zusammen. Zwischendurch gab es eine Unterbrechung von einem Jahr, weil gefühlsmäßiges Chaos herrschte. Seitdem hat sich unser Sex, ehrlich gesagt, sehr verändert. Vor der Trennung war er ziemlich ausgefallen, aufregend, leidenschaftlich – fast schon innovativ. Wir konnten innerhalb von zehn Stunden bis zu zwölfmal Sex haben. Als wir wieder zusammenkamen, hatten wir eine herrliche und leidenschaftliche Nacht.
Jetzt, wo wir fast wieder ein Jahr zusammen sind, merke ich, dass ich nie wirklich befriedigt bin. Ich war zwar immer schon sensibel und schmerzempfindlich, aber beim Sex Schmerz zu empfinden hat mir eigentlich trotzdem gefallen. Haareziehen, Klapse auf den Po, Beißen und sanftes Kratzen habe ich stets genossen. Gefesselt zu werden ist eine meiner Lieblingspraktiken. Wenn ich nun aber versuche, im Bett eine ausgefallenere und härtere Gangart anzuregen, scheitert es immer daran, dass er so sanft und zärtlich ist.
Ich habe ihm mehrmals versucht klarzumachen, dass es für mich okay ist, wenn er mir ein bisschen wehtut, und dass ich ihm schon zu verstehen geben werde, wenn er zu weit geht. Doch er macht sich immer Sorgen, er könnte mir wehtun. Ich habe versucht rauszufinden, was er so für Fantasien hat, in der Hoffnung, die ganze Sache für ihn ein bisschen aufzupeppen. Aber er beharrt darauf, dass er keine habe.
Ich weiß absolut nicht mehr weiter und habe keine Ahnung, wie ich ihm meine Probleme mitteilen soll, ohne ihn in seinem Stolz zu verletzen.
—Mari
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Übrigens: BDSM ist für manche Menschen eine heikle Sache.
Engler hat die Erfahrung gemacht, dass gerade BDSM-Praktiken von Partner*innen abgelehnt werden, die es lieber sanft und gefühlvoll mögen. „Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie, wenn sie sich härteren Sex wünschen, beim Partner oder bei der Partnerin ein Minenfeld aus Ängsten betreten“, so Engler.
Hier sind einige Erklärungen, warum Leute es nicht mögen. Engler bezieht sich dabei auf Erfahrungen, die sie in ihrer sexualtherapeutischen Arbeit gemacht hat:
- Manche können aggressive sexuelle Spiele nicht von echter Aggression oder Gewalt trennen. „Sie sagen mir zum Beispiel: ,Ich kann aus einer liebevollen und respektvollen Haltung heraus nicht darauf umschalten, sie im Bett zu schlagen,'“ so Engler.
- Manchen Leuten ist es unangenehm, in die dominante Rolle zu schlüpfen. Viele Menschen fühlen sich hier unsicher oder unter Druck gesetzt, so Engler.
- Das Leben vieler Leute ist so schon anstrengend genug – und sie wünschen sich gefühlvollen Sex. „Manchmal sehnen sich die Männer einfach nach Sanftheit, das darf man nicht unterschätzen“, sagt Engler.
- Oder sie stehen nicht auf BDSM. Und das ist ja auch vollkommen in Ordnung!
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Hier sind einige Möglichkeiten, dem Partner oder der Partnerin zu sagen, was du möchtest (ohne das Ego deines Gegenübers zu verletzen):
Du kannst die eigenen Wünsche in einer Situation äußern, die mit Sex gar nichts zu tun hat. Wenn du die Partnerin oder den Partner während des Sex darum bittest, dich zu schlagen/dir an den Haaren zu ziehen oder ähnliches, kann das wie eine Leistungsanforderung wirken – was für manche Leute sehr stressig ist.
Aber wenn du es der Partnerin oder dem Partner beim Einkaufen oder im Restaurant ins Ohr flüstert, ist es eher eine spielerische Fantasie. Die andere Person hat dann die Möglichkeit, sich mit der Idee anzufreunden, ohne sofort handeln zu müssen, erklärt Engler.
Zeigen, nicht erklären. Manchmal ist es einfacher, wenn du bei dem anderen das tust, was du selbst magst, sagt Engler. (Oder es bei dir selbst tust, je nachdem) So erwartest du von der anderen Person nicht, die Regie zu übernehmen. Stattdessen demonstrierst du einen spielerischen Umgang mit deinen Wünschen.
Und dann frag einfach, ob dein Partner oder deine Partnerin das mag. Die meisten Leute denken, dass die andere Person es super findet, wenn es im Bett etwas abenteuerlicher zugeht. Aber manches löst bei deinem Gegenüber unangenehme Gefühle oder Unsicherheiten aus. Deshalb solltest du immer fragen und darüber reden, wenn eine*r der Partner*innen nicht gleich von einem neuen sexuellen Experiment begeistert ist.
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