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Wie spreche ich darüber, was ich mir beim Sex wünsche?

Was tun, wenn die sexuelle Chemie nicht mehr stimmt?

Photo by Emiliano Vittoriosi on Unsplash

Frage der Woche: Wie bekomme ich den *guten* Sex von damals wieder zurück?

HBO / Via deeperthantherabbithole.tumblr.com

Mein Partner und ich sind seit etwa fünfeinhalb Jahren zusammen. Zwischendurch gab es eine Unterbrechung von einem Jahr, weil gefühlsmäßiges Chaos herrschte. Seitdem hat sich unser Sex, ehrlich gesagt, sehr verändert. Vor der Trennung war er ziemlich ausgefallen, aufregend, leidenschaftlich – fast schon innovativ. Wir konnten innerhalb von zehn Stunden bis zu zwölfmal Sex haben. Als wir wieder zusammenkamen, hatten wir eine herrliche und leidenschaftliche Nacht.

Jetzt, wo wir fast wieder ein Jahr zusammen sind, merke ich, dass ich nie wirklich befriedigt bin. Ich war zwar immer schon sensibel und schmerzempfindlich, aber beim Sex Schmerz zu empfinden hat mir eigentlich trotzdem gefallen. Haareziehen, Klapse auf den Po, Beißen und sanftes Kratzen habe ich stets genossen. Gefesselt zu werden ist eine meiner Lieblingspraktiken. Wenn ich nun aber versuche, im Bett eine ausgefallenere und härtere Gangart anzuregen, scheitert es immer daran, dass er so sanft und zärtlich ist.

Ich habe ihm mehrmals versucht klarzumachen, dass es für mich okay ist, wenn er mir ein bisschen wehtut, und dass ich ihm schon zu verstehen geben werde, wenn er zu weit geht. Doch er macht sich immer Sorgen, er könnte mir wehtun. Ich habe versucht rauszufinden, was er so für Fantasien hat, in der Hoffnung, die ganze Sache für ihn ein bisschen aufzupeppen. Aber er beharrt darauf, dass er keine habe.

Ich weiß absolut nicht mehr weiter und habe keine Ahnung, wie ich ihm meine Probleme mitteilen soll, ohne ihn in seinem Stolz zu verletzen.

—Mari

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Wir haben mit der Sexual- und Beziehungstherapeutin Dr. Brandy Engler gesprochen. Sie ist Autorin des Buches The Women On My Couch und das hatte sie zu sagen.

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Dass Sex in einer Langzeitbeziehung zur Routine wird, ist völlig normal. Aber halt trotzdem blöd.

Engler erlebt das Thema ständig in ihrer Praxis – Paare, zwischen denen die sexuelle Chemie anfangs perfekt gestimmt hat, verfallen irgendwann in eine Routine. Und obwohl du hier ein paar ganz spezifische sexuelle Bedürfnisse angesprochen hast, sagt Engler, dass du dir in Wahrheit wohl vor allem Leidenschaft wünschst.

Bei Leuten, die das Bedürfnis nach mehr Leidenschaft haben, beobachtet Engler, dass sie häufig einen bestimmten Fehler machen: Sie verlangen bestimmte Dinge, die sie mit Leidenschaft assoziieren. In deinem Fall also: ausgefalleneren, härteren Sex. Leidenschaft bedeutet aber mehr als nur eine Reihe von Sexpraktiken: „Du kannst nicht einfach ein Programm abspulen wie 'Zieh an meinen Haaren' und so weiter, wenn ihm nicht auch danach ist.“

Statt sich also darauf zu konzentrieren, was zur Leidenschaft konkret beitragen könnte, empfiehlt Engler, lieber zu überlegen, was denn die Leidenschaft in eurer Beziehung blockiert. Das Haareziehen und andere ausgefallene Extras werden dann (hoffentlich) nicht lange auf sich warten lassen.

Vergiss nicht, dass jede Veränderung des Sexuallebens mit tieferliegenden emotionalen oder Beziehungsproblemen zu tun haben könnte.

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Es ist sehr aufschlussreich, dass du sagst, der Sex zwischen euch sei anders, seitdem ihr wieder zusammen seid“, so Engler. Engler zufolge ist es tatsächlich möglich, dass emotionale Altlasten, Verbitterung, Ängste und Sorgen zu dieser Veränderung beitragen. Das kann sich negativ auf die sexuelle Erregbarkeit, das Verlangen und sogar auf die sexuelle Funktionsfähigkeit auswirken. Solcher Ursachen ist man sich nicht immer voll bewusst: Du (oder dein Partner) meinen vielleicht, alles sei in bester Ordnung. Der Körper reagiert aber auf alles, was im Kopf passiert.

Wenn das der Fall zu seinen scheint, empfiehlt Engler, dass ihr euch zusammensetzt und darüber sprecht, was schiefläuft – wobei ihr den Sex außen vor lassen solltet. Etwa so: „Lass uns doch mal darüber sprechen, was jetzt, nach einem Jahr, mit uns los ist. Gibt es noch Wut oder Verbitterung? Vielleicht ist da ja noch etwas in uns, das ,dichtmacht,, und das immer dann an die Oberfläche kommt, wenn wir Sex haben.“

Übrigens: BDSM ist für manche Menschen eine heikle Sache.

Xebeche / Getty Images / Via thinkstockphotos.com

Engler hat die Erfahrung gemacht, dass gerade BDSM-Praktiken von Partner*innen abgelehnt werden, die es lieber sanft und gefühlvoll mögen. „Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass sie, wenn sie sich härteren Sex wünschen, beim Partner oder bei der Partnerin ein Minenfeld aus Ängsten betreten“, so Engler.

vevo.com / Via machinerebellion.tumblr.com

Hier sind einige Erklärungen, warum Leute es nicht mögen. Engler bezieht sich dabei auf Erfahrungen, die sie in ihrer sexualtherapeutischen Arbeit gemacht hat:

- Manche können aggressive sexuelle Spiele nicht von echter Aggression oder Gewalt trennen. „Sie sagen mir zum Beispiel: ,Ich kann aus einer liebevollen und respektvollen Haltung heraus nicht darauf umschalten, sie im Bett zu schlagen,'“ so Engler.

- Manchen Leuten ist es unangenehm, in die dominante Rolle zu schlüpfen. Viele Menschen fühlen sich hier unsicher oder unter Druck gesetzt, so Engler.

- Das Leben vieler Leute ist so schon anstrengend genug – und sie wünschen sich gefühlvollen Sex. „Manchmal sehnen sich die Männer einfach nach Sanftheit, das darf man nicht unterschätzen“, sagt Engler.

- Oder sie stehen nicht auf BDSM. Und das ist ja auch vollkommen in Ordnung!

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Hier sind einige Möglichkeiten, dem Partner oder der Partnerin zu sagen, was du möchtest (ohne das Ego deines Gegenübers zu verletzen):

Esquire / Via reddit.com

Du kannst die eigenen Wünsche in einer Situation äußern, die mit Sex gar nichts zu tun hat. Wenn du die Partnerin oder den Partner während des Sex darum bittest, dich zu schlagen/dir an den Haaren zu ziehen oder ähnliches, kann das wie eine Leistungsanforderung wirken – was für manche Leute sehr stressig ist.

Aber wenn du es der Partnerin oder dem Partner beim Einkaufen oder im Restaurant ins Ohr flüstert, ist es eher eine spielerische Fantasie. Die andere Person hat dann die Möglichkeit, sich mit der Idee anzufreunden, ohne sofort handeln zu müssen, erklärt Engler.

Fox / Via weheartit.com

Zeigen, nicht erklären. Manchmal ist es einfacher, wenn du bei dem anderen das tust, was du selbst magst, sagt Engler. (Oder es bei dir selbst tust, je nachdem) So erwartest du von der anderen Person nicht, die Regie zu übernehmen. Stattdessen demonstrierst du einen spielerischen Umgang mit deinen Wünschen.

Und dann frag einfach, ob dein Partner oder deine Partnerin das mag. Die meisten Leute denken, dass die andere Person es super findet, wenn es im Bett etwas abenteuerlicher zugeht. Aber manches löst bei deinem Gegenüber unangenehme Gefühle oder Unsicherheiten aus. Deshalb solltest du immer fragen und darüber reden, wenn eine*r der Partner*innen nicht gleich von einem neuen sexuellen Experiment begeistert ist.

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Und so fragt du, was die andere Person mag und welche Fantasien sie hat, ohne dass es unangenehm und peinlich sein muss:

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Noch einmal: Du solltest neue Wünsche in einer Situation ansprechen, in der es nicht gleich zur Sache geht. „Es ist fast so, als würdest du eine erotische Geschichte erzählen, so wie: ,Ich fände es schön, wenn ich dies oder das mit dir machen könnte' oder ,Ich fände es schön, wenn du das oder das mit mir machen würdest'“, so Engler. Wenn du das Gespräch in einer Situation führt, die mit Sex nichts zu tun hat, gibt es nicht den Druck, das jetzt sofort in die Tat umsetzen zu müssen. Außerdem zeigst du, das Fantasien zunächst einmal nichts anderes sind als das: Fantasien.

Setze dich mit den Gründen auseinander, die die andere Person zum Zögern bringen können. Vielleicht fällt es der anderen Person schwer, sich auszudrücken und offen über ihre Wünsche zu reden. Es kann auch sein, dass jemand wenig Gespür für das eigene Verlangen hat und denkt, gar keine Fantasien zu haben, erklärt Engler. Über sowas lässt sich jedoch sprechen. Achte nur darauf, vollkommen offen und aufmerksam zu bleiben, und kein Urteil zu fällen.

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